zu kommen und in einem von ihnen gemietheten Hauſe eine Wohnung anzunehmen.
Die Gelegenheit war günſtig, ich war unter Freunden, ich glaubte nicht ablehnen zu muſſen, denn ich hätte keine beſſere finden können, den ganzen Hof Ludwigs XV. und alle auswärtigen Geſandten kennen zu lernen. Ich ſtellte mich Herrn Moroſini vor, welcher jetzt Procurator von St. Marcus iſt und damals Geſandter der Republik in Paris war.
Am erſten Tage, wo eine Oper gegeben wurde, erlaubte er mir, ihm zu folgen. Die Muſik war von Lulli. Ich ſaß im Parquet gerade unter der Loge der Pompadour, welche ich nicht kannte. In der erſten Scene ſehe ich die berühmte le Maur auf die Bühne kommen und höre ſie einen ſo ſtarken und unerwarteten Schrei ausſtoßen, daß ich glaubte, ſie wäre toll geworden. Ich lachte etwas, und zwar in aller Unſchuld, da ich nicht dachte, daß Jemand Anſtoß daran nehmen würde. Ein Ritter des heiligen Geiſtordens, welcher neben der Marquiſe ſtand, fragte mich mit trocknem Tone, woher ich wäre. Ich antworte mit demſelben Tone: Aus Venedig.
Ich bin dort geweſen und habe ſehr über Ihr Reci⸗ tativ gelacht.
Ich glaube es, mein Herr und bin überzeugt, daß Nie⸗ mand Sie am Lachen zu hindern geſucht hat.
Meine etwas derbe Antwort brachte Frau von Pom⸗ padour zum Lachen, welche mich fragte, ob ich wirklich von dort unten her wäre.
Wie denn von dort unten her?
Von Venedig.
Madame, Venedig liegt nicht unten, ſondern oben.
Dieſe Antwort wurde noch ſonderb arer gefunden, als die erſte und es trat die ganze Loge in Berathung, um zu un⸗ terſuchen, ob Venedig unten oder oben liege. Vermuthlich fand man, daß ich Recht hatte, denn man griff mich nicht mehr an. Ich hörte indeß der Oper zu, ohne zu lachen; da ich aber den Schnupfen hatte, ſo ſchnaubte ich mich oft. Derſelbe Heilige⸗Geiſt⸗Ritter richtete von Neuem das Wort


