Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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reiſen ließen; wenn er in unſerer Geſellſchaft käme, ſo würde das Redereien geben, man würde Fragen an ihn richten und weit mehr von uns ſprechen, als wenn wir allein an⸗ kämen. Da Henriette und ich ſeine Bemerkungen ſehr be⸗ gründet fanden, ſo entſchloſſen wir uns augenblicklich, die Nacht in Reggio zu bleiben und ihn allein in einem Poſt⸗ wagen nach Parma reiſen zu laſſen. Nachdem wir darüber übereingekommen und ſein Koffer auf den kleinen Wagen, welcher ihm geliefert wurde, gebracht worden, ſagte er uns Lebewohl und verſprach uns, am nächſten Tage zu Mittag bei uns zu ſpeiſen.

Das Benehmen des ehrlichen Ungarn mußte meiner Freundin ebenſo ſehr wie mir gefallen, da unſer Zartgefühl uns zu großem Zwange in ſeiner Gegenwart nöthigte, und wie hätten wir wohl nach unſerer neueſten Uebereinkunft in Reggio wohnen ſollen? Henriette hätte mit Ehren das Bett des Kapitains nicht mehr theilen können und konnte

ebenſo wenig, ohne den beſcheidenen Mann zu verletzen, in das meinige kommen. Wir alle drei würden über dieſen Zwang, den wir lächerlich gefunden hatten, gelacht aber auch ihm uns unterworfen haben. Die Liebe iſt ein

kleines der Schaam feindliches Weſen, obwohl ſie oft die Dunkelheit und das Geheimniß ſucht; wenn ſie aber der Schaam Raum geebt, ſo fühlt ſie ſich erniedrigt, und ver⸗

liert dann drei Viertel ihrer Würde und einen großen Theil ihres Zaubers. Es iſt leicht einzuſehen, daß Henriette und

ich nur glücklich ſein konnten, wenn wir die Erinnerung an jenen braven Mann entfernten.

Wir ſpeiſten zu Abend allein; ich war trunken von 3

Glück, welches mir zu groß ſchien, und doch auch traurig; aber Henriette, welche ebenfalls traurig ſchien, hatte mir

nichts vorzuwerfen. Im Grunde war es Verlegenheit,

denn wir liebten uns, aber wir hatten noch nicht Zeit ge⸗ habt uns kennen zu lernen. Wir ſprachen wenig, und es kam nichts Pikantes, nichts Intereſſantes vor: unſere Reden ſchienen mir abgeſchmackt und wir ſchwelgten in unſern Ge⸗ danken. Wir wußten, daß wir die Nacht mit einander zu⸗ bringen würden; aber wir würden gefürchtet haben, eine