Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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Vierundzwanzigſtes Kapitel.

Ich reiſe glücklich von Bologna ab. Der Capitain verläßt uns in Reggio, mo ich die Nacht bei Henrietten bleibe. Henriette legt wieder weibliche Kleidung an.

Unſer beiderſeitiges Glück. Ich kinde Verwandte, gebe

mich denſelben aber nicht zu erkennen.

Der Leſer erräth wohl, daß die Seene ſich änderte, und daß das magiſche Wort: Kommen Sie nach Parma, eine glückliche Wendung war, welche mich vom Schrecklichen zum Zärtlichen, vom Strengen zum Milden übergehen ließ. Ich fiel ihr in der That zu Füßen, erfaßte mit verliebtem Drange ihre Kniee und küßte ſie mit Zärtlichkeit und Dankbarkeit. Nun keine Wuth mehr und auch nicht mehr jener heftige Ton, welcher ſo wenig zu dem ſüßeſten der Gefühle paßt. Ich bin zärtlich, unterwürfig, danhan und ſchwöre ihr, keine Gunſtbezeugung, nicht einmal einen Kuß zu fordern, ehe ich nicht ihre Liebe verdient! Dieſes göttliche Weib, welches ſich angenehm überraſcht findet, als ſie mich plötz⸗ lich vom Tone der Verzweiflung zu dem der lebhafteſten

Zärtlichkeit übergehen ſieht, ſagt zu mir mit noch zärtli⸗

cherem Tone als der meinige geweſen war, ich möge auf⸗ ſtehen. Ich bin überzeugt, ſagt ſie, daß Sie mich lieben; aber glauben Sie auch, daß ich Alles, was von mir ab⸗ hängt, thun werde, um mich ihrer Beſtändigkeit zu verſichern. Hätten ſie mir auch geſagt, daß ſie mich eben ſo ſehr lieben, wie ich ſie liebe, ſo hätten ſie doch nicht mehr geſagt, denn jene Worte drückten Alles aus. Meine Lippen waren auf ihre ſchönen Hände gepreßt, als der Capitain zuruͤckkehrte. Mit dem aufrichtigſten Tone wünſchte er uns Glück und ich ſagte zu ihm mit Glück ſtrahlender Miene, ich würde Pferde beſtellen. Ich ließ ihn allein mit ihr, und bald darauf traten wir froh und zufrieden die Reiſe an. Ehe wir in Reggio ankamen, ſagte der ehrliche Kapi⸗

tain, er halte es für paſſend, daß wir ihn allein nach Parma