grund der Verworfenheit zu ſtürzen und es darauf ankom⸗ men laſſen, ob ſie einen vornehmen Mann findet, der ſich an ihren Wagen ſpannt. Das wäre der Plan einer Tollen oder Verzweifelten und Henriette ſcheint dies nicht zu ſein. Indeß hat Henriette nichts und dennoch will ſie, als ob ſie reichlich mit Allem verſehen wäre, nichts von einem Eh⸗ renmanne annehmen, der ihr Anerbietungen macht, die ſie, ohne zu eröthen, annehmen kann, da ſie nicht Anſtand genommen hat, für ihn Gefälligkeiten zu haben, zu welchen ſie nicht durch die Liebe veranlaßt wurde. Glaubt ſie, daß es weniger ſchmachvoll iſt, ſich den Begierden eines unbekann⸗ ten Mannes, der keine zärtlichen Empfindungen ein⸗ flößen kann, hinzugeben, als von einem Freunde, welchen man ſchätzt, ein Geſchenk anzunehmen, und noch dazu in einem Augenblicke, wo ſie von Allem entblößt und in einer fremden Stadt, deren Sprache ihr ſogar unbekannt iſt, ſich auf die Straße geſetzt ſieht?
Will ſie dadurch den falſchen Schritt, welchen ſie ſich mit dem Capitain hat zu Schulden kommen laſſen, recht⸗ fertigen und demſelben zu verſtehen geben, daß ſie nur, um dem Offizier, welcher ſte in Rom beſeſſen, zu entgehen, ſich ihm hingegeben hat? Aber ſie muß überzeugt ſein, daß der Capitain keine andere Idee haben kann, denn er zeigt ſich zu vernünftig, als daß man ihm den Glauben zutrauen konnte, ihr dadurch, daß ſie ihn einmal in Cività Vecchia am Fenſter geſehen, eine lebhafte Leidenſchaft eingeflößt zu haben. Sie konnte alſo Recht haben und ſich gegen ihn für gerechtfertigt halten, nicht aber gegen mich; denn bei ihrem Geiſte mußte ſie wiſſen, daß ich nicht mit ihnen ge⸗ reiſt ſein würde, wenn ſie mir kein Gefühl eingeflößt hätte, und es konnte ihr nicht unbekannt ſein, daß es nur ein Mittel für ſie gäbe, um meine Verzeihung zu erlangen. Sie kann Tugenden haben, ſagte ich zu mir; aber ſie hat nicht die, welche mich verhindern könnte, die einzige Beloh⸗ nung zu beanſpruchen, welche jeder Mann von der Frau, in die er verliebt iſt, erwartet.
Wenn ſie gegen mich die Tugendhafte zu ſpielen und
mich zum Narren haben zu können glaubt, ſo ſcheint mir
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