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Liebenswürdige College des Capitains, ſage ich fran⸗ zöſiſch, darf ich als Gaſt zu ihrem Frühſtück kommen? Sogleich ſehe ich einen reizenden Kopf mit aufgelöſtem Haare friſch und lachend unter der Bettdecke hervorſchlüpfen und trotz ſeiner Männermütze erkenne ich das Geſchlecht, ohne welches der Mann das unglücklichſte Thier auf der Erde ſein würde. T. )
12. Erfreut über dieſe anmuthige Erſcheinung ſage ich“zu‿p ch Sie geſehen, v
ihr, ich hätte das Glück, noch ehe i nahme fuüͤr Sie empfunden zu haben, und jetzt, wo ich Sie geſehen, könne mein Eifer, ihr nützlich zu werden, ſich nur verdoppeln. Sie antwortete mit einer Anmuth und Lebhaftigkeit, welche nur dieſer liebenswürdigen Nation eigen ſind, und ſie wendete mein Argument mit einer Feinheit des Aus⸗ drucks zurück, welche mich bezauberte. Meine Bitte wurde genehmigt und ich ging hinaus, um das Frühſtück zu be⸗
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ſtellen, und ihnen Zeit zu laſſen, eine ſitzende Stellung ein⸗ zunehmen, denn ſie waren entſchloſſen, nicht eher aus dem Bette aufzuſtehen, als bis die Thür geſchloſſen wäre.
Als der Kellner kam, gehe ich wieder hinein und finde meine Franzöſin im blauen Ueberrock, die Haare nach Män⸗ nerart, aber ſchlecht geordnet, und auch in dieſem Anzuge entzückend. Ich ſehnte mich danach, ſie ganz außer dem Bette zu ſehen. Sie frühſtückte, ohne je den Offizier zu unterbrechen, welcher mit mir ſprach und auf welchen ich gar nicht oder ſchlecht hörte, denn ich war in einer Art Bezauberung.
Sogleich nach dem Frühſtücke gehe ich zum General und erzähle ihm die Sache, die ich ſo zuſtutze, daß ſie
ſeine Eigenliebe reizen muß. Ich ſage, der Offizier wäre
falls er nicht die Sache in Ordnung brächte, entſchloſſen, einen Expreſſen an den Kardinal⸗Protektor zu ſchicken. Aber meine Beredtſamkeit war überflüſſig, denn er war wohl zufrieden, daß die Prieſter ſich in die himmliſchen Angelegenheiten miſchten, aber er wollte nicht, daß ſie ihre Naſe in die Angelegenheiten dieſer Welt ſteckten. Ich werde,
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