zu dieſem Augenblicke ſollte ſein Sohn es beſtändig bei ſich behalten.
Nachdem ich dieſe Bedingungen eingegangen war, ver⸗ pflichteten wir uns ſchriftlich und ſetzten den Tag der Ab⸗ reiſe auf den zweitnächſten Tag feſt. Im Augenblick der Abreiſe gab der Vater dem Sohne den Seegen und ſagte zu mir, daß er Pfalzgraf wäre und zeigte mir das Diplom, welches der Pabſt ihm hatte ausfertigen laſſen. Ich um⸗ arme ihn, indem ich ihn Herr Graf nenne und nehme ſei⸗ nen Wechſel.
Nachdem ich Marina, welche ich als Favorit⸗Maitreſſe. des Grafen Arcorati verließ, Lebewohl geſagt und von Ba⸗
letti, welchen ich vor Ablauf eines Jahres in Venedig wie⸗ derzuſehn ſicher war, Abſchied genommen hatte, ſpeiſte ich mit meinem Freunde O'Neilan zu Abend.
Am Morgen ſchifften wir uns ein und nachdem wir durch Ferrara und Bologna gekommen, langten wir in Ceſena an und ſtiegen in der Poſt ab. Wir ſtanden früh auf und wanderten dann zu Georg Franzia, einem reichen Bauer und Beſitzer des Schatzes. Er wohnte eine Viertelmeile von der Stadt und unſere unerwartete Ankunft überraſchte ihn ſehr. Er umarmte Capitani, welchen er kannte, und mich bei ſeiner Familie laſſend, ging er mit meinem Ge⸗ fährten hinaus, um von Geſchäften zu ſprechen.
Mich nun auf die Beobachtung legend, prüfte ich ſorg⸗ fältig alle Mitglieder der Familie und ließ meine Wahl auf die älteſte Tochter fallen. Ihre jüngere Schweſter war häß⸗ lich und ihr Bruder ein großer Einfaltspinſel. Die Mutter ſchien die Herrſchaft zu führen und drei oder vier Mägde gingen im Hauſe beſtändig hin und her.
Ddie älteſte Tochter hieß Genoveva, wie faſt alle Bäue⸗ rinnen von Ceſena. Als ich ihren Namen erfahren hatte, ſagte ich zu ihr ſie müſſe 18 Jahr alt ſein; aber mit halb⸗ ernſtem und halb ärgerlichem Tone antwortete ſie, ſie wäre erſt 14 Jahr alt. Das freut mich mein liebenswürdiges Kind. Sie wurde wieder heiter.
Das Haus war gut gelegen und ſtand nach allen Sei⸗ ten hin auf 400 Schritte völlig frei. Ich ſah mit Ver⸗
III. 12


