167—
denn es genügte, daß er ſagte, es ſei ein bloßer Zufall ge⸗ weſen.
Da der Ofſizier, welcher mir den Schein wegen der ſechs Zechinen ausgeſtellt, nach Verlauf der acht Tage nicht gekommen war, ſo ſagte ich zu ihm, als ich ihm auf der Straße begegnete, daß ich mich nicht verpflichtet glaubte, ihm das Geheimniß zu bewahren. Anſtatt ſich zu entſchuldigen, ſagte er: Das iſt mir gleich. Da mir dieſe Antwort ein Schimpf ſchien, ſo dachte ich daran, ihn zur Rechenſchaft zu ziehen, als O'Neilan mir am folgenden Tage ſagte, daß Laurent toll geworden ſei und daß man ihn eingeſchloſſen habe. Er wurde wieder geſund, aber wegen ſeiner ſchlechten Aufführung vom Regimente ausgeſchloſſen.
O Neilan, welcher tapſer wie Bayards Schwert war, fiel ſpäter in der Schlacht bei Prag. So wie er nun ein⸗ mal war, konnte er es nicht vermeiden, ein Opfer des Mars
oder der Venus zu werden. Er würde vielleicht noch leben,
wenn er nur den Muth des Fuchſes gehabt hätte; aber er hatte den des Löwen. Bei einem Soldaten iſt dies eine Tugend, bei einem Offizier aber beinahe ein Fehler. Die⸗ jenigen, welche der Gefahr mit Kenntniß der Sache ent⸗ gegengehen, ſind des Lobes werth; aber diejenigen, welche ſie nicht kennen, entkommen nur durch ein Wunder und haben kein Verdienſt.
Man muß indeß die großen Krieger achten, denn ihr unbezwinglicher Muth kann nur die Wirkung einer ſtarken Seele, einer Art Tugend ſein, welche ſie über die Sterb⸗ lichen erhebt.
So oft ich an den Prinzen Karl von Ligne denke, ver⸗ gieße ich Thränen. Er war muthig wie Achilles, aber Achilles war unverwundbar. Er würde noch leben, wenn er im Kampfe hätte daran denken können, daß er ſterblich wäre. Wer hat ihn wohl gekannt, und ſeinem Andenken nicht Thränen geweiht? Er war ſchön, ſanft, höflich, ſehr
gebildet, Freund der Künſte, heiter, ſcherzhaft in ſeinen Re⸗ den, zuverläſſig und von immer gleicher Laune. Verhäng⸗
nißvolle und ſchreckliche Revolution! Ein Kanonenſchuß hat


