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legen könnten. Wir werden uns nicht entkleiden, ſagte er,
aber Sie können ſich ungehindert entkleiden, denn da Sie nicht mit uns reiſen, ſo können Sie ſchlafen, ſo lange Sie wollen.
O, ſagte Chriſtine, ich muß mich entkleiden, denn ſonſt könnte ich nicht ſchlafen; aber ich werde Sie nicht warten laſſen, denn ich brauche nur eine Viertelſtunde, um mich in Stand zu ſetzen.
Ich ſagte nichts, aber ich konnte mich von meinem Er⸗ ſtaunen nicht erholen. Chriſtine, die ſo reizende, welche geſchaffen war, um einen Xenocrates zu verführen, ſchlief nackt bei ihrem Onkel, der allerdings alt, ſehr fromm und fern von Allem war, was eine ſolche Anordnung zu einem Wagniſſe hätte machen können; der mit einem Worte Alles war, was man will, der aber doch Mann war, es wie je⸗ der Andere geweſen ſein und wiſſen mußte, welcher Gefahr ler ſich ausſetzte. Meine ganz fleiſchliche Vernunft fand das
unerhört. Nichtsdeſtoweniger war die Sache unſchuldig und
ſo unſchuldig, daß er nicht nur kein Geheimniß daraus machte, ſondern nicht einmal die Möglichkeit ahnte, daß ſie nicht unſchuldig gefunden werden könnte. Ich ſah dies Al⸗ les ein; aber ich war nicht daran gewöhnt und konnte mich daher nicht darein finden. Als ich älter an Jahren und Erfahrung wurde, fand ich dieſe Sitte in manchen Ländern bei guten Leuten, deren Sitten dadurch keineswegs verderbt wurden; aber ich wiederhole es, bei guten Leuten, und ich mache keinen Anſpruch darauf, zu denſelben zu gehören.
Wir hatten zu Mittag Faſtenſpeiſen gegeſſen, und mein feiner Gaumen war nicht befriedigt worden. Ich gehe in die Küche und ſage zur Wirthin, ſie ſolle mir das Feinſte, was der Markt von Treviſo bieten könne und namentlich guten Wein auftragen.
Wenn Sie nicht auf die Koſten ſehen, mein Herr, ſo laſſen Sie mich nur machen: Sie ſollen zufrieden ſein. Sie werden Gatta⸗Wein erhalten.
Gut, und beſorgen Sie das Abendeſſen recht früh.
Ich gehe wieder hinauf und finde Chriſtinen, ihrem
75 jährigen Onkel die Wangen ſtreichelnd. Der gute Mann
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