Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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Muß ich denn durchaus ſchreiben können, um Frau zu werden? Ich kann ſehr gut leſen.

Das reicht nicht hin, und obwohl eine Frau Mut⸗ ter ſein kann, ohne einen A⸗Strich machen zu können, ſo wird doch das Schreiben von den jungen Mädchen allge⸗ mein gefordert; und ich wundere mich, daß Sie es nicht können. S

Aber iſt denn das ein Wunder? Bei uns kann kein junges Mädchen ſchreiben. Nicht wahr, Onkel?

Das iſt wahr; aber es denkt auch keine daran, ſich in Venedig zu verheirathen, und da Du dies willſt, ſo mußt Du auch ſchreiben lernen.

Gewiß, ſagte ich, und ehe Sie nach Venedig kommen, denn man würde ſich dort über Sie luſtig machen, wenn Sie es nicht könnten. Das betrübt Sie, meine Theure; das thut mir leid.

Das mißfällt mir, weil man nicht in acht Tagen ſchrei⸗ ben lernen kann.

Ich mache mich anheiſchig, ſagte ihr Onkel, es Dich in acht Tagen zu lehren, wenn Du Dich ordentlich anſtrengen willſt. Du ſollſt dann genug wiſſen, um Dich weiter zu vervollkommnen.

Das iſt eine große Aufgabe; aber ich will mich der⸗ ſelben unterziehen, und ich verſpreche Ihnen, Tag und Nacht zu ſtudieren und morgen anzufangen. 1

Als wir zu Mittag geſpeiſt, ſagte ich zum Pfarrer, er würde wohl daran thun, wenn er anſtatt nach dem Abend⸗ eſſen abzureiſen, während der Nacht ausruhte und erſt mit Tagesanbruch abreiſete, da er noch zeitig genug zur Meſſe und viel friſcher ankommen wuͤrde. Am Abend erneuerte

ich meinen Vorſchlag, und da er ſah, das ſeine Nichte

ſchläfrig war, ließ er ſich überreden. Ich rief die Wirthin, um einen Wagen zu beſtellen, und als ich zu derſelben ſagte, ſie ſolle im benachbarten Zimmer Feuer anmachen und mir ein Lager einrichten laſſen, erwiederte der heilige Pfarrer, das wäre nicht nöthig, da in dem Zimmer, in welchem wir uns befanden, zwei große Betten ſtänden, und

ich mich in das eine, ſeine Nichte und er ſich in das andre

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