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Glücks in meinem Blute. Ich konnte nicht begreifen, wie ein ſo reizendes Mädchen vierzehn Tage in Venedig hatte verweilen können, ohne Jemand zu finden, der ſie heirathete oder betrog. Was ſehr viel zu meinem Entzücken beitrug, das war ihre Mundart und ihre Naivetät, welche die Ge⸗ wohnheit der Städte mich als Dummheit taxiren ließ.
Als wir gefrühſtückt, wurde es mir ſchwer, dem Pfar⸗ rer begreiflich zu machen, daß ich den letzten Platz im Wa⸗ gen einnehmen müſſe; aber es wurde mir bei unſerer An⸗ kunft in Treviſo weniger ſchwer ihn zu überreden, ſein Mit⸗ tagsbrodt und Abendbrodt in einem wenig beſuchten Gaſt⸗ hofe einzunehmen, wofür ich die Koſten übernahm. Er nahm meinen Vorſchlag an, ſobald ich ihm geſagt, daß nach dem Abendeſſen ein Wagen bereit ſtehen würde, um ihn im ſchönſten Mondſcheine in einer Stunde nach Pr. zu fahren. Nur die unbedingte Nothwendigkeit, am folgenden Tage die Meſſe in ſeiner Kirche zu leſen, drängte ihn.
Als wir im Gaſthofe abgeſtiegen, und ich für ein gu⸗ tes Feuer und ein gutes Mittagseſſen geſorgt, bedachte ich⸗ daß der Pfarrer ſelbſt den Diamant verpfänden könnte, wo⸗ durch ich einige Augenblicke des Alleinſeins mit ſeiner Nichte erhalten würde. Ich mache ihm den Vorſchlag und ſage, da ich nicht erkannt ſein wolle, ſo könne ich nicht ſelbſt nach dem Leihhauſe gehen, und er nahm den Vorſchlag mit gro⸗ ßer Bereitwilligkeit an und freute ſich, daß er mir einen Dienſt erweiſen konnte.
Er geht aus und ich bin nun allein mit der reizenden Chriſtine. Ich war eine Stunde bei ihr, ohne daß ich 1. mich bemühte, ihr einen Kuß zu geben, obwohl ich die größte Luſt dazu hatte; aber durch Reden, welche die Phan⸗ taſie eines jungen Mädchens ſo leicht erhitzen, ſtimmte ich ihr Herz für die Begierden, von welchen ich ent⸗ ſlammt war. 3
Der Pfarrer kam wieder mit dem Ringe und ſagte; wegen der Feier des Feſtes der heiligen Jungfrau könne ich ihn erſt übermorgen verpfänden; er habe ſchon mit dem Kaſſirer des Leihhauſes geſprochen und derſelbe habe ge⸗
ſagt, wenn ich wolle, könne ich das Doppelte erhalten. Hery


