Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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Sie täuſchen ſich, ſchöne Chriſtine, denn ich habe n

Mittel, die Wahrheit zu erforſchen. Und worin beſteht dieſes Mittel? Es beſteht darin, ſie mit etwas lauwarmem Roſen⸗

waſſer zu waſchen; auch verſchwindet jede künſtliche Farbe,

wenn die junge Dame weint.

Bei dieſen Worten änderte ſich die Scene wie durch einen Zauber. Das Antlitz des jungen Mädchens, welches nur Unwillen, Verdruß und Geringſchätzung ausdrückte, nahm ein heiteres und befriedigtes Ausſehen an, welches ſie wahrhaft verführeriſch machte. Sie lächelte dem Pfarrer zu, welcher über dieſe Veränderung höchlichſt erfreut war, denn der unentgeltliche Wagen lag ihm ſehr am Herzen⸗

Weine doch, Nichte, damit der Herr Deinen Augen Ge⸗ rechtigkeit widerfahren laſſe,

Chriſtine weinte in der That, aber vor lauter Lachen.

Dieſe Art natürlicher Originalität machte mir außer⸗ ordentliche Freude, und während wir die Treppe zum Ufer hinaufſtiegen, gab ich ihr eine Ehrenerklärung, ſo daß ſie das Anerbieten meines Wagens annahm. Ich ließ ein Frühſtück auftragen, und befahl einem Fuhrmann, während unſeres Frühſtücks einen ſchönen Wagen anzuſpannen; aber der Pfarrer ſagts, er wolle vorher ſeine Meſſe leſen. Wohlan, ſagte ich, nulr wollen aſie hören, und beten Sie, daß mir mein Plan gelinge. Bei dieſen Worten ſteckte ich ihm einen Dukaten in die Hand. So viel, mein Ehrwürdigſter, ſagte ich, bin ich gewohnt zu geben. Meine Großmuth machte einen ſolchen Eindruck auf ihn, daß er mir die Hand küſſen wollte. Er machte ſich auf den Weg nach der Kirche, und ich bot der Nichte meinen⸗Arm, welche nicht wußte, ob ſie ihn annehmen oder ablehnen ſollte und zu mir ſagte: Glau⸗ ben Sie denn, daß ich nicht allein gehen kann?

Das nicht; aber wenn ich Ihnen den Arm nicht gebe, wird man ſagen, ich ſei unhöflich.

Und was wird man ſagen, wenn ich Ihnen den

Arm gebe?

Vielleicht wird man ſagen, daß wir uns lieben, und vielleicht auch, daß wir ſehr gut zu einander paſſen.