Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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reizend. Sie hatte den Kopfputz einer reichen Bäuerin und trug auf ihrem Kopfe für mehr als hundert Zechinen an Nadeln und goldenen Pfeilen, mit welchen die Flechten ihres langen und ebenholzſchwarzen Haares befeſtigt waren. Lange maſſive Ohrbommeln und eine goldene Kekte, welche zwan⸗ zigmal um ihren Alabaſterhals herumgeſchlungen war, ga⸗ ben ihrer Lilien⸗ und Roſen⸗Geſtalt einen zauberiſchen Glanz. Es war die erſte ländliche Schönheit, welche ich in einem ſolchen Aufzuge traf. Sechs Jahre früher hatte Lucia mich in Pasean auf eine andere Weiſe gerührt. Chriſtine ſagte kein Wort mehr, aber ſie mußte in Verzweiflung ſein, denn gerade ihre Augen waren von blen⸗ dender Schönheit, und ich war Barbar genug, um ihnen dieſelbe zu rauben. Sie mußte mich verabſcheuen, und wenn ſie nicht weinte, ſo wurde ſie offenbar nur durch die Wuth daran gehindert. Indeß hütete ich mich wohl, ſte ihrer Täuſchung zu entreißen, denn ich wollte, daß ſie die Löſung des Knotens durch einen Knalleffekt herbeiführen ſollte. Sobald die Gondel in den Kanal von Marghera hin⸗ eingefahren war, fragte ich den Pfarrer, ob er einen Wagen nach Treviſo habe, da er, um nach Pr. zu gelangen, dieſe Stadt berühren mußte. Ich werde zu Fuße gehn, ſagte der brave Mann, denn ich habe eine arme Pfarre und für Chriſtine werde ich leicht einen Platz auf einen Wagen finden. Sie werden mir ein großes Vergnügen erweiſen, wenn Sie beide einen Platz in meinem Wagen annehmen; er iſt vierſitzig und Sie werden ſehr bequem darin ſitzen. (Ein ſolches Glück hofften wir nicht. Ganz und gar nicht, Onkel, ich will nicht mit dieſem Herrn fahren. Warum nicht, liebe Nichte? Weil ich nicht will. So, ſagte ich, ohne ſie anzuſehen, wird gewöhnlich die Aufrichtigkeit belohnt.— S

Es iſt nicht Aufrichtigkeit, verſetzt ſie haſtig, ſondern reine

Bosheit. Sie werden in der ganzen Welt keine ſchwarzen Augen mehr finden, und das iſt mir lieb, da Sie dieſelben gern haben.