Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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und keiner von denen, von welchen ich es gewünſcht hätte, hat ſich erklärt.

Was für eine Erklärung wollten Sie?

Die Erklärung, welche ich verlange, iſt die einer ordent⸗ lichen Heirath in der Kirche in Gegenwart von Zeugen. Wir ſind indeß vierzehn Tage in Venedig geblieben; nicht wahr, mein Onkel?

Das Mädchen, wie Sie ſie da ſehen, ſagte hierauf der Onkel, iſt eine gute Partie, denn ſie hat 3000 Thaler. Sie hat immer geſagt, ſie wolle nur einen Venetianer heirathen und ich habe ſie nach Venedig geführt, um ſie bekannt zu machen. Eine anſtändige Frau hat uns derzohn Tage lang beherbergt und ſie in mehrere Häuſer geführt, wo heiraths⸗ fähige junge Leute ſie geſehn haben; aber die, welche ihr gefallen, haben nichts vom Heirathen wiſſen wollen, und die, welche ſte hätten haben wollen, waren nicht nach ihrem Geſchmack.

Glauben Sie denn aber, ſagte ich zu ihm, daß eine Heirath wie ein Eierkuchen fertig gemacht wird? Vier⸗ zehn Tage in Venedig wollen gar nichts ſagen; man muß wenigſtens ein halbes Jahr daſelbſt bleiben. Ich z. B. finde Ihre Nichte hübſch wie einen Engel, und ich würde mich glücklich ſchätzen, wenn die Frau, welche mir Gott be⸗ ſtimmt hat, t9r gliche; wenn ſie mir aber auch augenblick⸗ lich 50,000 Thaler gäbe, um ſie auf der Stelle zu heira⸗ then, ſo znöchte ich ſie doch nicht haben. Ein vernünftiger junger Mann nimmt nicht eher eine Frau, als bis er ihren Charakter kennen gelernt hate denn nicht das Geld und die Schönheit begründen das Gluͤck einer Ehe.

Was wollen Sie mit Charakter ſagen? fragte mich Chriſtine; meinen Sie eine ſchöne Handſchrift?

Nein, mein Engel; ich muß über Sie lachen. Es han⸗ delt ſich um die Eigenſchaften des Herzens und des Geiſtes. Ich muß mich einmal verheirathen und ich ſuche den Gegen⸗ ſtand ſeit drei Jahren, aber noch immer vergeblich. Ich habe mehrere, faſt eben ſo hübſche Mädchen wie Sie gekannt, welche alle eine gute Mitgif hatten; aber nachdem ich zwei

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