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Stadt gebracht, von welcher aus ſie ſchrieb, und daß ſie dort bei einem Verwandten, wo ſie wohnte, die Bekannt⸗
ſchaft des Mannes gemacht, welcher es übernommen, ſie glücklich zu machen. Ich ſah ſie ein Jahr ſpäter, und ohne ihren Brief hätte ich mich gewiß ihrem Manne vorſtellen laſſen. Die Süßigkeit des Friedens iſt gewiß dem Zauber der Liebe vorzuziehen, aber ſo denkt man nicht, wenn man verliebt iſt.
In dieſer Zeit feſſelte mich auf etwa vierzehn Tage eine junge, ſehr hübſche Venetianerin, welche ihr Vater der Be⸗ wunderung des Publikums ausſtellte, indem er ſie auf dem Theater tanzen ließ. Ich würde die Feſſeln vielleicht länger getragen haben, wenn Hymen ſie nicht gebrochen hatte. Madame Cäcilie Valmarano fand fuür ſie einen paſſenden Mann in dem franzöſiſchen Tänzer Binet, welcher den Na⸗ men Binetti annahm. Deshalb brauchte ſeine junge Frau ihre italiäniſche Rolle nicht in eine franzöſiſche umzuwan⸗ deln, und ſie machte ſich bald auf mehr als eine Weiſe be⸗ ruhmt. Dieſe Binetti hatte das wunderbare und ſeltene Vorrecht, daß die Jahre nur leichte Spuren auf ihre Ge⸗ ſtalt zurückließen. Sie ſchien allen ihren Liebhabern, ſelbſt den feinſten Kennern altender Züͤge, immer jung. Die Männer fordern im Allgemeinen nichts weiter und ſie haben Recht, wenn ſie ſich keine Mühe geben wollen, um ſich zu überzeugen, daß ſie ſich durch den äußern Schein haben täu⸗ ſchen laſſen. Der letzte Liebhaber, welchen dieſe merkwürdige Frau durch das Uebermaaß des Vergnügens tödtete, war ein gewiſſer Pole Namens Mosciuski, welchen ſein Schick⸗ ſal vor ſieben bis acht Jahren nach Venedig rief; die Bi⸗ netti war damals dreiundſechszig Jahre alt.
Das Leben, welches ich in Venedig fuͤhrte, hätte mir
gluͤcklich ſcheinen können, wenn ich mich hätte überwinden
können, nicht im Baſſett zu pointiren. In den Ridotti's war daſſelbe nur den Adligen geſtattet, wenn ſie nichtmaskirt,
in patriciſchem Anzuge und mit ihrer großen Perrücke,
welche im Anfange des Jahrhunderts unvermeidlich gewor⸗ den war, erſchienen. Ich ſpielte und that Unrecht daran, denn weder beſaß ich die Klugheit aufzuhören, wenn das
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