Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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geſſen wird: Alles dies bildete ein Gemälde, welches wieder⸗ zugeben dem geſchickteſten Maler ſchwer werden ſollte. Endlich nahm man Platz, die Gräſin auf einem Ca⸗ napé zwiſchen ihrem Bruder und Herrn Barbaro, ich ihr gegenüber auf einem Tambouret.

Wem, theure Schweſter, verdanken wir das Glück, Dich wiederzubeſitzen?

Meinem Schuſtgeiſte, ſagte ſie, mir die Hand reichend, dieſem edlen Menſchen, welcher auf mich wartete, als ob ihm der Himmel eingegeben hätte, über Deine Schweſter zu wachen; er hat mich gerettet, und mich vor dem Abgrunde, welcher ſich unter meinen Füßen eröffnete, geſchützt; er hat mich von der Schmach, die mir drohte, und von der ich keine Idee hatte, gerettet und, wie ſie ſehen, küßt er mir jetzt zum erſtenmale die Hand.

Sie bedeckte nun ihre ſchöne Augen mit ihrem Taſchen⸗ tuche, um ihre Thränen aufzufangen, mit welchen wir die unſrigen vermiſchten.

Das iſt die wahre Tugend, welche nie ihren edlen Charakter verliert, ſelbſt wenn ihr die Schaam eine unſchul⸗ dige Lüge entreißt. Uebrigens wußte die junge Gräfin in dieſem Augenblicke nicht, daß ſie lüge. Durch ihren hüb⸗ ſchen Mund ſprach eine reine und tugendhafte Seele, deren Aeußerungen ſie ſich nicht widerſetzte. Ihre Tugend liebte es, ſie ſo darzuſtellen, gleichſam, um zu zeigen, daß ſie ſich von ihr trotz ihrer Verwirrungen nie getrennt. Ein jun⸗ ges Mädchen, welches der Liebe und dem Gefühle gehorcht, kann nie ein Verbrechen begehen und alſo auch nie den Ge⸗ wiſſensbiſſen zugänglich ſein.

Als der zärtliche Beſuch ſich ſeinem Ende näherte, ſagte ſie, ſie ſehne ſich danach, ſich zu den Füßen ihres Va⸗ ters zu ſehen aber ſie wünſche, daß es erſt gegen Abend

geſchehe, um dem Geſchwätze der Nachbarn keine Nahrung

zu geben. Es wurde alſo verabredet, daß die Zuſammen⸗

kunft, durch welche die dramatiſche Verwickelung gelöſt

werden ſolle, erſt mit Eintritt der Nacht des folgenden Ta⸗ ges ſtattfinden ſolle.

Wir ſpeiſten zu Abend beim Grafen, und dieſer gute