Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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Gegen die Mitte des April 1746 heirathete Girolamo Cornaro aus der Familie Cornaro delle Regina ein Fräu⸗ lein aus dem Hauſe Soranzo de St. Pol und ich hatte die Ehre der Hochzeit beizuwohnen als Violinſpieler. Ich war Mitglied eines der zahlreichen Orcheſter der Bälle, welche während dreier auf einander folgender Tage im Pa⸗ laſte Soranzo veranſtaltet wurden.

Am dritten Tage gegen Ende des Feſtes, eine Stunde vor Tagesanbruch verließ ich, weil ich mich ermüdet fühlte, ohne Weiteres das Orcheſter, um mich zu entfernen, als ich beim Hinuntergehen einen Senator in rothem Gewande bemerkte, welcher im Begriff war, in ſeine Gondel zu ſtei⸗ V gen und welcher beim Herausziehen des Taſchentuchs einen Brief fallen ließ. Ich hebe denſelben eiligſt auf und zu dem Herrn tretend, als er die Stufen hinabſtieg, übergebe ich ihm den Brief. Er nimmt ihn, indem er mir dankt, und fragt mich, wo ich wohne. Ich ſage es ihm, und er nöthigt mich, in ſeine Gondel zu ſteigen, da er mich durch⸗ aus nach Hauſe bringen wollte. Ich nehme dies dankbar an und ſetze mich neben ihn auf die Bank. Einen Augen⸗ blick darauf bittet er mich, ihm den linken Arm zu ſchütteln, und ſagt, derſelbe ſei ihm ſo ſehr erſtarrt, daß er kein Ge⸗ fühl mehr darin habe. Ich mache mich mit aller Kraft an die Arbeit, aber einen Augenblick darauf ſagt er mit un⸗ deutlicher Stimme, die Erſtarrung dehne ſich über die ganze linke Seite aus, und er fühle ſich dem Tode nahe.

Erſchreckt ziehe ich die Gardine auf, und als ich die Laterne geholt, ſehe ich ihn ſterbend und mit verzogenem Munde daliegen. Da ich wohl ſah, daß Se. Herrlichkeit einen Schlaganfall habe, rufe ich den Gondolieren zu, mich ausſteigen zu laſſen, um einen Chirurgus zu holen, der ihm zur Ader laſſen könne.

Ich ſpringe aus der Gondel, an demſelben Orte, wo ich vor drei Jah en Razzetta eine ſo derbe Lektion ertheilt, und gehe in ein Kaffeehaus, wo man mir einen Chirur⸗ gus nachweiſet. Ich laufe zu demſelben, klopfe derho⸗ lentlich an ſeine Thüre, man öffnet mir, und ich zwinge den Chirurgus, mir im Schlafrocke zur Gondel zu folgen,