Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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es merkte; dieſe ſchöne Dame wurde gegen mich völlig gleichgültig.

Ich reiſte ohne Geld ab, nachdem ich alle Sachen von Werth verkauft oder verpfändet. Zweimal war ich reich hierher gekommen und zweimal reiſte ich arm ab; aber diesmal hatte ich Schulden gemacht, welche ich nie bezahlt habe, nicht aus Böswilligkeit, ſondern aus Leichtſinn.

Als ich reich und wohl war, feierten mich Alle; als ich arm und mager war, gab mir Niemand mehr ein Zei⸗ chen der Achtung. Als ich eine volle Börſe und einen zu⸗ verſichtlichen Ton hatte, fand man mich geiſtreich, unterhal⸗ tend; als meine Börſe leicht und mein Ton beſcheiden wurde, erſchien Alles, was ich ſagte, platt und geiſtlos. O, Menſchen! O, Glück! Man vermied mich, als ob das Unglück, welches mich verfolgte, anſteckend geweſen wäre. Ende September traten wir die Reiſe mit fünf Galee⸗ ren, zwei Galeaſſen und mehrern kleinen Fahrzeugen unter dem Befehle Herrn Veniers an; wir fuhren längs der Küſte des adriatiſchen Meeres im nördlichen Theile des Meerbu⸗ ſens, welcher hier ſehr reich an Häfen iſt, während er auf der andern ſehr arm daran iſt. Wir legten alle Abende an, und ich ſah daher Madame F. alle Abende; ſie kam mit

ihrem Manne zum Abendeſſen auf unſere Galeaſſe. Unſere

Reeiiſe war ſehr glücklich; wir warfen im Hafen von Vene⸗ dig am 14. Oktober 1745 Anker, und nachdem wir die Quarantaine auf unſerer Galeaſſe beſtanden, landeten wir am 25. November. Zwei Monate ſpäter wurden die Ga⸗ leaſſen aufgehoben. Es waren dies Fahrzeuge, deren Ein⸗ führung auf ſehr alte Zeiten zurückging, deren Unterhaltung

ſehr koſtſpielig war und die durchaus keinen Nutzen hatten.

Eine Galeaſſe hatte den Körper einer Fregatte und die

Bänke einer Galeere, und fünfhundert Galeerenſklaven ru⸗

derten, wenn kein Wind war.

Ehe es dem geſunden Menſchenverſtande gelang, dieſe ſchlechten Fahrzeuge zu unterdrücken, fanden im Senate 4 lange Erörterungen ſtatt, aber der Hauptgrund, welchen die

Opponenten anführten, war der, daß man alles Alte achten und erhalten müſſe. Das iſt die Krankheit aller derjenige