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vor dem Aufbruche der Armee wieder in ſeine Dienſte nahm, und daß F. einen neuen Adjutanten wählte. Bei dieſer Ge⸗ legenheit ſagte Madame F., daß wir uns in Venedig aus mehreren Gründen nicht würden ſehen können. Ich bat ſie, mir dieſelben nicht zu nennen, da ich vermuthete, daß die⸗ ſelben nur demüthigend für mich würden ſein können. Ich wurde gewahr, daß dieſe vermeintliche Gottheit nur eine arme Sterbliche wie alle andern Frauen war, und ich fing an, dem Gedanken Raum zu geben, daß ich ſehr Unrecht thun würde, ihretwegen dem Leben zu entſagen. Der Grund ihrer Seele wurde mir klar, denn, ich weiß nicht mehr bei welcher Gelegenheit, ſagte ſie zu mir, ich flöße ihr Mitleid ein. Ich ſah klar, daß ſie mich nicht mehr liebte, denn das Mitleid, dieſes erniedrigende Gefühl, findet keinen Raum in einem liebenden Herzen, da die Verachtung dieſem traurigen Gefühl zu ſehr verwandt iſt. Von dieſem Augen⸗ blicke an bin ich nicht mehr allein mit ihr geweſen. Ich liebte ſie noch, es würde mir leicht geweſen ſein, ſie zum Erröthen zu bringen; ich that es nicht.
Sobald wir in Venedig angelangt waren, hängte ſie ſich an D. R. und liebte ihn, bis er ſtarb. Zwanzig Jahre ſpäter erblindete ſie. Ich glaube, ſie lebt noch.
Die beiden letzten Monate meines Aufenthalts in Corfu
gehörten zu den lehrreichſten meines Lebens, und ich habe mich derſelben oft erinnert, um nützlichen Rath daraus zu
ſchöpfen.
Vor meinem nächtlichen Abenteuer mit der elenden Melulla war ich geſund, reich, glücklich im Spiele, geliebt von Allen, angebetet von der ſchönſten Frau der Stadt. Wenn ich ſprach, liehen mir Alle ein aufmerkſames Ohr, rühmten meinen Geiſt; meine Worte waren Orakelſprüche, und Alle folgten meinen Rathſchlägen. Nach jenem ver⸗ hängnißvollen Abenteuer verlor ich ſchnell Geſundheit, Geld, Kredit; gute Laune, Achtung, Geiſt, Alles, bis auf die Fähigkeit mich auszudrückem Herflog mit dem Glücke. Ich ſprach; aber man wußte, daß ich unglücklich war und ich
„berzeugte nicht mehr. Der Einfluß, welchen ich auf Ma⸗
vame F. hatte, verlor ſich allmählig und faſt ohne daß ich III. 4


