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Ohne nachzudenken antwortete ich, in dem Zuckerwerk, das ich äße, wäre etwas enthalten, was zur Liebe zwinge.
Daran glaube ich nicht; aber es iſt von dem, welches ich eſſe, verſchieden.
Es iſt beides gleich, nur iſt in dem meinen das In⸗ grediens enthalten, welches mich zwingt, Sie zu lieben.
Sagen Sie mir, was für ein Ingrediens das iſt. Das iſt ein Geheimniß, welches ich Ihnen nicht offen⸗ bären kann.
Und ich werde Ihr Zuckerwerk nicht mehr eſſen.
Dies ſagend, ſteht ſie auf, ſchüttet ihre Bonbonniere aus und füllt ſte mit Chocoladenplätzchen; ſodann ſchmollt ſte, wie nicht minder an den folgenden Tagen, und vermei⸗ det es, mit mir allein zu ſein. Da mich dies ärgerte, ſo wurde ich traurig, aber ich konnte mich nicht entſchließen, ihr zu ſagen, daß ich ihre Haare äße.
Nach vier oder fünf Tagen fragte ſie mich, weshalb
ich traurig wäre. Weil Sie mein Zuckerwerk nicht mehr eſſen. Sie ſind Herr Ihres Geheimniſſes, und mir ſteht es
—+₰ freei;, zu eſſen, was ich will.
Das habe ich von meinem Vertrauen. Dies ſagend,
oͤffne ich die Kryſtallbonbonniere und ſchüttete ihren ganzen
Inhalt in meinen Mund, indem ich ſage: Noch zweimal und ich ſterbe an wahnſinniger Liebe für Sie. Dann werden Sie wegen meiner Zurückhaltung gerächt ſein. Leben Sie wohl, Madame. 3 Sie ruft mich zuruck, läßt mich neben ſich ſitzen und ſagt, ich möchte keine Thorheiten begehen, die ihr Kummer machten, denn ich wüßte ja, daß ſte mich liebte, und ich müßte überzeugt ſein, daß ſie dies nicht der Kraft eines Geheim⸗ mittels zuſchriebe. Um Ihnen die Ueberzeugung zu geben, daß ſie eines ſolchen nicht bedürfen, um von mir geliebt zu werden, nehmen Sie dies Unterpfand meiner Zärtlichkeit. Sie nähert ihren ſchönen Mund und ich preſſe den meinigen darauf, bis ich genöthigt bin, denſelben zurückziehen, um Athem zu holen. Ich werfe mich ihr nun zu Füßen, die Augen benetzt mit Thränen der Zärtlichkeit aus Dankbar⸗


