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Mag man es immerhin glauben, wenn es nur nicht
wahr iſt.
Welcher Widerſpruch! Sollte es möglich ſein, daß ich Sie nicht liebte, und daß Sie nichts für mich fühlten? Aber auch Sie magern ab, und ich vergehe. Unfehlbar wird Folgendes eintreten: wir Beide ſterben in Kurzem, Sie an Selbſtaufzehrung, ich an Erſchöpfung; denn ich bin darauf angewieſen, mich an Ihr Bild zu halten, Nachts und immer, überall, außer wenn ich bei Ihnen bin.
Dieſe mit dem Tone der Leidenſchaft vorgebrachte Er⸗ klärung erſtaunte, rührte ſie, und ich glaubte, daß der Augenblick des Glückes gekommen wäre: Ich drückte ſie in meine Arme und pflückte ſchon die Erſtlinge—— Die Schildwache klopfte zweimäl. Welch frauriger Zufall! Ich bringe mich wieder in Ordnung, indem ich mich vor ſie hinſtelle—— D. R. erſcheint und findet mich diesmal bei ſo guter Laune, daß er bis ein Uhr Nachts blieb.
Mein Zuckerwerk fing an Aufſehen zu machen. D. R., Madame F. und ich waren die einzigen, deren Bonbonniere damit gefüllt war. Ich geizte damit, und Niemand wagte es, mich darum zu bitten, weil ich geſagt, es wäre theuer, und es gäbe in Corfu weder einen Konditor, der es nach⸗ machen, noch einen Phyſiker, der es analyſtren könne. Na⸗ mentlich aus meiner Cryſtalldoſe gab ich Niemand, und Madame F. hatte dies bemerkt. Ich hielt das Zuckerwerk ſicherlich nicht fuür einen Liebestrank und war weit entfernt davon zu glauben, daß die Haare den Geſchmack verbeſſern könnten: aber ein verliebter Aberglaube machte es mir theuer und ich erfreute mich an dem Gedanken, mich mit einigen Parzellen des angebeteten Weſens identificiren zu können.
Ohne Zweifel aus einer gewiſſen Sympathie war Ma⸗ dame F. ganz verliebt in das Zuckerwerk. Sie behauptete gegen Alle, daß daſſelbe ein Univerſalmittel wäre, und da ſte ſich bewußt war, die Herrin des Beſitzers zu ſein, ſo bekümmerte ſie ſich nicht um das Geheimniß der Zuſam⸗ menſetzung; da ſie aber bemerkte, daß ich nur aus der Schildpattdoſe austheilte, und ſelbſt nur aus der Cryſtall⸗ doſe nahm, ſo fragte ſie mich nach dem Grunde..


