Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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Ich mag das nicht glauben, Madame.

Aber ſind Sie denn geheilt?

Vollkommen, denn wenn ich noch an ſie denke, ſo ſinde ich mich kalt und gleichgültig; aber meine Geneſung hat lange gedauert.

Sie hat wohl ſo lange gedauert, bis Sie ſich in eine andere verliebt haben?

In eine andere, Madame? Ich glaubte Ihnen geſagt zu haben, daß das drittemal das letztemal geweſen.

Wenige Tage darauf ſagte mir D. R.: Madame F. wäre unwohl und er könne ihr nicht Geſelſſchaft leiſten, deshalb ſolle ich zu ihr gehen, und könne ſicher ſein, ihr an⸗ genehm zu ſein. Ich gehe zu ihr und richte Wort für Wort das Compliment D. R.'s aus. Madame F. lag auf ihrem Sopha; ſie antwortete mir, ohne mich anzuſehen, ſie glaube, das Fieber zu haben und forderte mich nicht auf, zu blei⸗ ben, da ich mich langweilen würde.

Ich kann mich bei Ihnen, Madame, nicht langweilen,

übrigens kann ich Sie nur verlaſſen, wenn Sie es aus⸗

drücklich befehlen, und in dieſem Falle werde ich die vier Stunden in Ihrem Vorzimmer zubringen, da Herr D. R.

mich gebeten hat, ihn hier zu erwarten. In dieſem Falle ſetzen Sie ſich, wenn Sie wollen. Eine ſo trockene Aufforderung verletzte mich, aber ich

liebte ſie und hatte ſie nie ſo ſchön gefunden, da T Un⸗ wohlſein ihren Teint auf eine Weiſe belebte, welche ihn

Plendend machte. Ich blieb eine Viertelſtunde lang ſtumm und unbeweglich wie eine Statue ſtehen; da klingelte ſie ihrer

Kammerfrau und bat mich, ſie einen Augenblick allein zu

laſſen. Nachdem ſie mich wenige Minuten darauf wieder hatte hereinkommen laſſen, fragte ſie mich, was aus meiner Heiterkeit geworden wäre.

Wenn meine Heiterkeit verſchwunden iſt, ſo kann dies nur nach Ihrem Befehl, Madame, geſchehen ſein. Rufen Sie dieſelbe zurück, und Sie werden ſie in Ihrer Gegen⸗ wart wieder in ihrer ganzen Stärke erſcheinen ſehen.

as muß ich thun, um dieſelbe zurückzurufen? Sich gegen mich benehmen wie nach meiner Rückkeh

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