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Wenn D. R. über etwas, was ich erzählte, lachte, ſo fragte ſie, warum er gelacht, und wenn derſelbe ihr die Sache wiedererzählte, ſo fand ſie ſie platt und ohne Sinn. Wenn ſich eines ihrer Armbänder ablöſete und ich mich erbot, es ihr wieder anzulegen, ſo wollte ſie mir entweder nicht * dieſe Mühe machen, oder ich verſtand die Sache nicht, und ihre Kammerfrau mußte es ihr anlegen. Meine üble Laune wurde erſichtlich, aber ſie that, als ob ſie es nicht merkte. Wenn mich D. R. aufforderte, etwas Huͤbſches zu erzählen, und ich es nicht augenblicklich that, ſo ſagte ſie, ich hätte meinen Sack bereits geleert, und fügte lachend hinzu, ich wäre erſchöpft. Voll Aerger zog ich dann vor, zu ſchwei⸗ gen, und gab ihr Recht; aber ich wurde magerer, denn ich wußte nicht, welchem Grunde ich dieſe Umwandlung, dieſe veränderte Stimmung, zu welchen ich meiner Anſicht nach nicht den geringſten Grund gegeben, zuſchreiben ſollte Ich wollte ihr offene Zeichen meiner Verachtung geben, aber
wenn die Gelegenheit dazu ſich bot, hatte ich nicht den
4 Muth.
Als mich D. R. eines Abends fragte, ob ich oft ver⸗
. liebt geweſen, antwortete ich: dreimal. 3
Und immer glücklich, nicht wahr?“ Immer unglüͤcklich. Das erſtemal, weil ich mich als Abbé nicht zu entdecken wagte. Das zweitemal, weil ein grauſames und unvorhergeſehenes Ereigniß mich zwang, mich plötzlich und in dem Augenblicke, wo meine Wünſche gekrönt werden ſollten, von dem geliebten Gegenſtande zu ente fernen. Das drittemal, weil das Mitleiden, welches ich de
Perſon, die mich entflammt, einflößte, ſie auf den Gedanken
ſbrachte, mich von meiner Leidenſchaft zu heilen, anſtatt mich
galüͤcklich zu machen.
Und welches Heilmittel hat ſie dazu angewendet?
Sie hat aufgehört, liebenswurdig zu ſein.
. Ich verſtehe; ſie hat Sie gemißhandelt; und das nen⸗
nen Sie Mitleiden? Sie irren ſich.
Gewiß, ſagte Madame, hat man Mitleiden mit Jemand, dden man liebt, und man will ihn nicht heilen, indem man Vhhn unglücklich macht. Dieſe Frau hat Sie nie geliebt. III. 2


