16
iſt in wohlverſiegeltem Umſchlage beim Notar deponirt, der in Gemäßheit dieſer Quittung denſelben nur Ihnen ſelbſt uͤbergeben darf.
Warum haben Sie ihn nicht behalten?
Ich fürchtete, daß er mir geſtohlen werden oder daß ich ihn verlieren könnte. Und wenn ich geſtorben wäre, ſo hätte ich nicht gewünſcht, daß er in andere Hände als die Ihrigen gefallen wäre.
Ihr Verfahren iſt ſehr zart; aber es ſcheint mir, daß Sie ſich das Recht hätten vorbehalten ſollen, denſelben ſelbſt wieder vom Notar abzuholen.
Ich habe dieſe Möglichkeit nicht vorausgeſehen.
Der Fall hätte indeß leicht eintreten können. Ich
kann alſo dem Notar ſagen laſſen, mir das Depoſitum zu ſchicken. Gewiß, Madame, und Sie allein können es. Sie ließ den Notar rufen, welcher ihr das Depoſitum brachte. Sie bricht den Umſchlag auf, und findet nur ein be⸗ ſchmiertes Papier, auf welchem allein ihr Name, welchen ich verſchont hatte, zu leſen war. Das, ſagte ſte, zeugt von Ihrem Cdelmuthe und Zartgefühle; aber geſtehen Sie, daß ich nicht ſicher ſein kann, daß dieſes Stück Papier wirklich mein Schein iſt, obwohl mein Name darauf ſteht.
Das iſt wahr, Madame, und wenn Sie deſſen nicht ſicher ſind, habe ich das größte Unrecht.
Ich bin deſſen ſicher, weil ich es weiß; aber Sie wer⸗ den zugeben, daß ich keinen Eid darauf ablegen könnte. Ich gebe es zu.
Während der folgenden Tage ſchien ſie ſich hinſichtlich maeiner gänzlich geändert zu haben. Sie empfing mich nicht mehr unangekleidet, und ich erkältete mich, indem ich warten mußte, bis ihre Kammerfrau ſie angekleidet, um zu ihr ge⸗ langen zu können.
Wenn ich etwas erzählte, ſtellte ſte ſich, als verſtände ſie es nicht und that ſo, als ob ſie die pointe eines Witzes oder einer Anekdote nicht finden könne; oft auch ſah ſie mich nicht an, und dann erzählte ich ſchlecht.
— 28
der
F


