Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ihr die erbetene Gefälligkeit verweigerte. Hierauf ſagte ſie,

ſich zu D. R. wendend: er iſt der Anſicht, daß die Ge⸗ ſellſchaft glauben würde, er unterhalte mich mit unanſtän⸗ digen Geſchichten, wenn er die Geſchichte ſeiner Unterhaltung mit der Frau Juſſuf's ohne Entſtellung der Wahrheit er⸗ zählte. Ich will Sie zum Richter machen. Wollen Sie, ſagte ſie zu mir, die Güte haben, dieſen Vorfall mit den⸗ ſelben Ausdrücken wie das erſtemal zu erzählen?

Ja, Madame, ich kann es, wenn ich will.

Aufs höchſte gereizt durch eine Plauderhaftigkeit, welche mir ohne Beiſpiel ſchien, da ich die Frauen noch nicht recht kannte, ſchildere ich, ohne die geringſte Furcht vor dem Miß⸗ lingen, das Abenteuer wie ein leidenſchaftlicher Maler, in⸗ dem ich das Gemälde mit allen Farben der Leidenſchaft be⸗ lebe und keine der Bewegungen, welche der Anblick der Reize der ſchönen Griechin in mir hervorgebracht hatte, verhülle.

Und Sie finden, ſagte D. R., daß er dieſe Geſchichte,

wie er ſie hier erzählt, in großer Geſellſchaft hätte erzählen ſollen?

Wenn er übel gethan hätte, ſie öffentlich zu erzählen, ſo hat er auch übel gethan, ſie mir allein zu erzählen.

Das können nur Sie beurtheilen; er hat übel gethan, wenn er Ihnen mißfallen, er hat es nicht gethan, wenn er Ihnen gefallen. Was mich betrifft, ſo muß ich Ihnen ſa⸗ gen, daß er mich beluſtigt hat, daß er mir aber ſehr miß⸗ fallen haben würde, wenn er dieſelbe ſo wie hier, vor einer zahlreichen Geſellſchaft erzählt hätte.

Wohlan, ſagte Madame F., ſo bitte ich Sie, künftighin mir nicht mehr allein zu erzählen, was Sie nicht öffentlich wiederholen können.

Ich verſpreche Ihnen, dies zur Regel meines Beneh⸗ mens zu machen.

Wohlpverſtanden, fuͤgte D. R. hinzu, daß Madame ſich das Recht, dieſen Befehl zurückzunehmen, ſo oft es ihr gut dunkt, in ſeiner ganzen Ausdehnung vorbehält.

Ich war verletzt, aber ich mußte meinen Aeger ver⸗ bergen. Gleich darauf entfernten wir uns.

Ich lernte dieſes liebenswürdige Weib gründlich kennen;