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ihrem ſchönen Geſicht den Stempel des Wohlwollens und der Tugend; er hatte eine reizende Tochter von ungefähr achtzehn Jahren, von beſcheidenem Weſen, und ſie öffnete den Mund bei Tiſche nur, um zuweilen leiſe mit einem jungen Manne zu ſprechen, der neben ihr ſaß. Nach dem Eſſen befand ich mich allein mit Herrn Haller. Ich fragte ihn, wer der junge Mann ſei. Er ſagte mir, es wäre der Lehrer ſeiner Tochter.
„Ein ſolcher Lehrer und eine ſo hübſche Schülerin könnten leicht ein Liebespaar werden.“
„Wie Gott will!“
Dieſe ſokratiſche Antwort machte mir begreiflich, wie unüberlegt meine Bemerkung geweſen war, und ich gerieth darüber in einige Verwirrung. Da ich ein Buch unter meiner Hand fand, öffnete ich es, um mich zu ſammeln. Es war ein Oktavband ſeiner eigenen Werke und ich las: Utrum memoria post mortem dubito.*)„Sie glauben alſo nicht,“ ſagte ich ihm, „daß das Gedächtniß ein weſentlicher Theil der Seele iſt?“ Was ſoll man darauf antworten? Herr
Haller wich mir aus, denn er hatte ſeine Gründe,
um an ſeiner Orthodoxie nicht zweifeln zu laſſen. Während des Eſſens fragte ich ihn, ob Herr von Voltaire ihn oft beſuche. Statt aller Antwort zitirte er die Verſe des Dichters: Vetabo qui Cereris sacrum Vulgarit arcanum sub iisdem Sit trubibus.**)
*) Ich zweifle an der Fortdauer des Gedächtniſſes nach dem Tode.
**) Ich werde verhindern, daß Der, welcher die heiligen Myierien der Ceres enthüllte, unter demſelben Dache mit mir lebe.
e.


