Teil eines Werkes 
10. Th. (1864) Memoiren
Entstehung
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meinen Schmerz. Ich wünſchte, den berühmten Haller kennen zu lernen, ehe ich die Schweiz verließ, und der Schultheiß Muralt gab mir für ihn einen Brief, was mich ſehr erfreute. Herr Haller war Landvogt in Roche.

Als ich Abſchied von Frau von Saone nahm, fand ich ſie im Bett und war gezwungen, eine Viertel⸗ ſtunde mit ihr im téte-à-téte zu bleiben. Sie ſprach natürlich nur von ihrer Krankheit und wußte das Geſpräch ſo zu lenken, daß ſie mit aller Schieklichkeit mir beweiſen konnte, das Uebel, welches ſie entſtellte, hätte ihren ganzen Körper verſchont. Dieſer Anblick überzeugte mich, daß Mignard weniger Tapferkeit nöthig hatte, als ich vermuthete, denn ich war nahe daran, ihr denſelben Dienſt zu leiſten. Man konnte ſie, ſtreng genommen, nur dort anſehen, und es wäre ſchwer geweſen, etwas Schöneres zu erblicken.

Ich ſehe voraus, daß mehr als eine Betſchweſter, mehr als ein Rigoriſt, eines Tages, wenn man jemals dieſe Memoiren lieſt, nicht ermangeln wird, über dieſe arme Dame zu ſchreien! Aber indem ſie ſich mit ſolcher Leichtigkeit zeigte, rächte ſie ſich für das Un⸗ recht, welches die Natur ihr anthat, indem ſie ſie ſo entſtellte. Vielleicht wollte ſie auch aus Herzensgüte den Ehrenmann, der den Widerwillen, welchen der Anblick ihres Geſichts in ihm erregen mußte, bezwang, dadurch aus Artigkeit entſchädigen, daß ſie ihm zeigte, auf welche Weiſe die Natur ſie mit Schönheit über⸗ häuft hatte. Ich bin überzeugt, meine Damen, daß ſelbſt die tugendhafteſte Prüde unter Ihnen, wenn Sie ſämmtlich das Unglück hätten, durch das Geſicht ſehr häßlich zu ſein, keine Schwierigkeit dabei machen würde, die Mode einzuführen, die Häßlichkeit zu ver⸗ bergen und Parade mit den Schönheiten zu machen,