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dieſen Zweck zu erreichen, mußten alle Bewohner der Stadt vom Morgen bis zum Abend arbeiten. Man ſah die Soldaten durch die Straßen ziehen, wo ſie die Muͤſſiggaͤnger mit Schlaͤgen antrieben, an der Arbeit beim Graben zu helfen. Die Stadt war beinahe leer, und als wir eines Tages hinaus gingen, fanden wir Leute aus allen Staͤnden, reiche
Maͤnner, Kaufleute und Dienſtboten, die mitten
unter den Aermern bis an's Kinn im Graben ſtan⸗ den, und deren jeder einen Weidenkorb in der Hand hatte, den er mit Erde fuͤllte, um ſie uͤber den Rand des Grabens zu werfen. Andre mußten gra⸗ ben, und Frohnvoͤgte fuͤhrten die Aufſicht uͤber Alle. Um Mittag wurde Jedem Brot und Waſter gereicht, und bei Sonnenuntergange ließ man Alle in die Stadt zuruͤckgehen. Wir wanderten eine Strecke weit, und ſtanden unter Palmen, um die Arbeiter heimkehren zu ſehen. Die Wohlhabendern kamen zuerſt und die Aermern folgten, und man ſah un⸗ ter beiden Klaſſen mehre Leute ohne Naſen und Oh⸗ ren, die Opfer von Dſchezzars Grauſamkeit gewor⸗ den waren.*) Die Gebirgwohner, die man zu die⸗ ſer Frohnarbeit gezwungen hatte, kamen zuletzt und ſangen froͤhlich ihre heimiſchen Lieder. Man ſchloß die Stadtthore hinter ihnen, um ſie am naͤchſten Morgen wieder zu ihrem Tagwerke zu rufen.
*) S. Anaſtaſius, Theil 6. S. 68— 69. 1*


