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lend, und ein anderes, das irgend ein ehrwuͤrdiger Heiliger oder Apoſtel ſein mochte, hervorhohlten und mit nicht geringem Stolze uns zeigten. Auf unſere Frage, ob ſie Buͤcher haͤtten, brachten ſie uns drel große alte und ziemlich abgenutzte Werke, die mit koptiſchen Buchſtaben geſchrieben waren. Dieſe kleine, in der Abgeſchiedenheit der Wuͤſte lebende Gemeinde zeigte in ihren Sitten und in ihrem ganzen Weſen viel Unſchuld und Einfalt. Ein ſtarkes Thor ver⸗
wahrte ihre Einſamkeit. Der Aelteſte der Gemeinde,
ein ehrwuͤrdiger Greis, gab uns beim Abſchiede mit frommer Inbrunſt ſeinen Segen. Wir ſetzten un⸗ ſern Weg fort, und der naͤchſte merkwuͤrdige Ge⸗ genſtand, den wir ſahen, war ein ſehr huͤbſcher arabiſcher Begraͤbnißplatz mitten in der Sandwuͤſte. Die Graͤber waren drei bis vier Fuß hoch und weiß getuͤncht. Die Morgenlaͤnder hatten zeigen wollen, daß ſie bei ihrer Sorgfalt fuͤr die Todten, die Le⸗ bendigen nicht vergeſſen, und ein Waſſerbehaͤltniß hier angebracht, das aus einem Brunnen Zufluß erhielt. Es hatte ein Dach, unter welchem es im⸗ mer kuͤhl blieb. Gegen Abend ſahen wir Siout's Minarete; ein ſehr willkommener Anblick.
Der Fuͤhrer und Eigenthuͤmer unſerer Eſel war ein Aegypter, und er trabte zu Fuße neben ihnen her. Dieſe Thiere waren alles, was er in der Welt
beſaß. Er hatte ſeine zwei Kinder verloren, deren Tod dem armen Manne alle Ausſichten auf ein ru⸗
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