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richtig— ob Du volles Vertrauen zu mir haben kannſt, wie wohl Du ſo manche Beweiſe meiner Unbedachtſam⸗ keit geſehen haſt 2
„Ich verſichere Dich, meine Viola, daß kein Mann ein höheres Vertrauen zu ſeiner Frau haben kann, als ich. Haſt Du nicht eine Schule von Prüfungen durch⸗ gemacht, welche Du, zwar allerdings nicht wie eine Heilige, aber doch wie ein edles und muthiges Weib, ein gutes Weib überſtanden haſt? Und wenn Du Dich in Zukunft einiger kleinen Unbedachtſamkeiten ſchul⸗ dig machſt, ſo können ſie mich meine Ruhe nicht koſten, denn Du wirſt ja auch immer Vertrauen zu mir hegen, und nicht das geringſte Geheimniß vor Deinem Gatten haben?“
„Das wollte ich auch vor dem Vormund nicht haben. Aber die dummen Unbedachtſamkeiten kamen immer ſo ſchnell, daß ich Dich nicht aufſuchen konnte.“
„Auch ein Umſtand, der jetzt aufhört... nicht auf die Art, daß ich Dich wie viele verheirathete Män⸗ ner mit einer ewigen Gegenwart und beſtändig ſpioni⸗ renden Blicken zu umgeben gedenke; nein, unſre Ehe ſoll von der Art werden, daß Du nicht zu vergeſſen vermagſt, daß Du die Hälfte Deiner Seele und die Hälfte Deines Willens vermiſſeſt, wenn ich nicht bei Dir bin.“
*„Warte, warte— iſt das nicht Despotismus?“
„Ja, allerdings. Aber Du darfſt Deinerſeits den⸗ ſelben Despotismus üben, und Du wirſt es wahrlich thun.“
„Das glaube ich auch... aber laß uns jetzt in Betreff meines Patienten ein Uebereinkommen treffen: Seine Anſprüche ſind ſo gering, daß Du mir doch er⸗ lauben wirſt, ihn zu behalten.“
„Das magſt Du thun... ich verlaſſe mich jetzt und immer auf Deinen Takt, daß Du ihm dieſes„Gna⸗ denrecht“ zukommen läſſeſt, das keine Worte wiederzuge⸗ ben vermögen; aber inzwiſchen bin ich dennoch entzückt


