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„Nein, jetzt beginnſt Du wahrhaftig ein Leiden zu improviſiren,“ antwortete Viola mit ihrer ganzen be⸗ zaubernden Schalkhaftigkeit aus früheren Zeiten.„Ich glaube nicht, daß ich Dir beſonders große Urſache gab, an Deinem Erfolg zu zweifeln.“
„Kind, Du ſtiehlſt mir die Vernunft mit dieſem Blick... ja iuſt dieſer Blick war es— jetzt erkenne ich ihn wieder— der mich zuerſt zum Leben erweckte.“
„Meinſt Du an jenem Mittag, wo ich meinem ver⸗ ehrungswürdigen Vormund die Aufwartung machte, und Du beſchloſſeſt, jene intereſſante Tagesordnung zu er⸗ laſſen: Nichts leich..“
„Still, ſtill, jetzt vergiſſeſt Du allen Reſpekt, meine Mündel. Gottes Wunder, wie habe ich nachher ſo⸗ wohl gelacht als geweint bei der Erinnerung an dieſe ſowohl glückliche als qualvolle Zeit, wo Du Tag für Tag Dich immer mehr in meine Seele einſtahlſt, ohne daß ich Deine Siege ahnte, ohne daß ich die Zauber⸗ macht begreifen konnte, die Du mit Deinen Blicken, Deinem Lächeln, Deinem anmuthigen kindiſchen Trotz und hernach Deinem kleinen Stolz ausübteſt.“
„Du ſagſt mir ſo viele ſchöne Dinge über die ver⸗ gangene Zeit, daß ich neidiſch darauf werde. Bedenke, vielleicht findeſt Du mich ebenſo... ebenſo..“
„O ſpare Deinen Neid— die arme Vergangenheit iſt ja nichts gegen dieſe gottvolle Gegenwart... höre, wie die Vögel uns antworten... ſiehe, wie die Natur gleich unſern Herzen ſich erfreut... war Dein Traum, meine Einziggeliebte, mein ſchöner klarer Lebensſtern, ſeliger als dieſe Wirklichkeit?“.
„Nichts kann je damit verglichen werden, alſo auch nicht mein ſchöner Traum; aber Du antworteſt nicht auf dieſe Frage, die ich ſoeben an Dich ſtellte.“
„Welche Frage? Ich bin ſo beſchäftigt, Dich an⸗ zuſehen, zu wiederholen, daß Du mein biſt, daß ich auf nichts anderes geachtet habe.“
„Aber jetzt ſollſt du mir antworten, ernſtlich, auf⸗
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