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ſtens durch die allerfriſcheſten, ſo ſinden wir ein neuver⸗ mähltes Paar, das nach ſeiner Heimat zieht, einer Hei⸗ math, wo aller menſchlichen Berechnung zufolge das Leben lange mit grünenden Blättern und glühenden Roſen voll ſtehen wird.
Der Vormund hat endlich ſeine kleine Mündel ge⸗ wonnen. Auch denkt er an alles andere, als an Tod und Leichenrede, indem er jetzt, den Arm um ſeine junge Gattin geſchlungen, betrachtet, wie das Blut auf ihrer Wange ſpielt, während er ihr von ſeinen Sehnſuchts⸗ träumen in dieſem Jahrhundert langen Jahre erzählt.
„Und auch ich, habe nicht auch ich geträumt, ob⸗ ſchon ich es mir lange vorwarf? Aber ach, es war ein Pihbie welchem abzuhelfen nicht in meiner Macht
and.“
„Ein Fehler, den ich ſegne... und jetzt, da Du meine Frau biſt— Gott— iſt es wirklich wahr, meine Frau— jetzt können wir geſtehen, daß es ein Wunder war, daß ich mich jemals erholen konnte, nach jenem Morgen, als Du, die ich damals bereits als meine Braut betrachtete, und der ich noch an demſelben Tag dieſen Namen geben wollte, zu mir hereintrateſt, o ſo entſtellt, ſo entſtellt, daß Dein blaſſes Ausſehen mein Blut er⸗ ſtarren machte, und mir verkündeteſt, daß Du freiwillig einem Andern angehören wolleſt.“
„Ums Himmelswillen, laß uns dieſe ſchauerliche Zwiſchenzeit zu vergeſſen ſuchen.... aber ſage mir, mein theurer Severin, ob Du volles Vertrauen zu einer Frau haben kannſt, die, ohne leichtſinnig zu ſein, gleich⸗ wohl bis zum Verbrechen unbedachtſam war, denn es war verbrecheriſch und vor allen Dingen unnatürlich, aus mißverſtandenem Heldenmuth ſowohl Dein als mein Lebensglück zu opfern.“
„Alles das habe auch ich gedacht. Und ohne Zwei⸗ fel war mein Leiden das größte, weil ich glaubte, doß Du niemals ſo handeln könnteſt, wie Du thateſt, im Fall Du ſo liebteſt wie ich.“
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