Teil eines Werkes 
4.-8. Bändchen (1851)
Entstehung
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Tode des Lieutenants, hernach durch die Enthüllung von Jeanne Sophiens verzweifelter Lage, und endlich er⸗ ſchreckt vor dem Zorne des Kriegsraths, wenn er dieſe letzte Neuigkeit erführe, beinahe gänzlich betäubt war.

„O du armes, armes Kind, wie dein Herz leiden muß um deine unglückliche Freundin! Ich weiß kaum, in weſſen Lage ich ſein möchte, in der deinigen oder in der ihrigen, wenn ich genöthigt wäre, zu wählen— denn jedermann, wer auch nur weniges Zartgefühl beſitzt, muß einſehen, welche Gewiſſensqualen Du dir machſt.... Ach großer Gott, wenn Du an dem unglücklichen Ball⸗ abend, als Emil floh, als er ſich Die anvertraute und Du ſein Schickſal förmlich in der Hand hatteſt, mit Severin geſprochen hätteſt, was ſo natürlich war— wie anders würde ſich da alles geſtaltet haben. Ver⸗ muthlich wäre ſie in dieſem Fall jetzt bereits ſeine Frau geworden... ich wage es nicht, an den morgenden Tag zu denken, aber ich glaube bei Gott, daß Severin ſich den Tod holt... er, der ſo ängſtlich auf die Ehre ſei⸗ nes Hauſes bedacht iſt, und dieſes Haus jetzt ſo mit Schimpf bedeckt!“

„Ich werde närriſch... mein Kopf ſchwindelt... ich habe Schuld an Emils Tod und Jeanne Sophiens Elend.“

„Nein, nein, liebes Kind Du haſt keine Schuld— ſo grauſam und zugleich unendlich dumm kann wohl Niemand ſein, daß er dieß behaupten wollte. Man kann

nur nicht umhin zu denken, daß Gott gnädig geweſen

ſein würde, im Fall er geſtattet hätte, daß Du einen andern Schritt thateſt, als Du wirklich thateſt. Aber wir ſprechen ja bloß von Dir und vergeſſen Jeanne Sophie beinahe....“

Viola rang ihre Hände: ihr Geſicht war weißer als das weiße Nachtkleid.

„O,“ rief ſie,„unter allen Bekümmerniſſen im Le⸗ ben gibt es keine ſchrecklichern als diejenigen, denen man nicht abhelfen kann.“