Teil eines Werkes 
4.-8. Bändchen (1851)
Entstehung
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Sie brach in ein jugendliches, hellklingendes Ge⸗ lächter aus, ein Gelächter, das die bisherige Stille auf eine eigenthümliche Art unterbrach.

Auch ließ Frau Laura das Meſſer, Nicke die Ser⸗ viette und der Kriegsrath ſeine Broſamen fallen.

Aber es geſchah etwas noch Schlimmeres.

Viola's ſchlecht angebrachte Munterkeit unterbrach auch die ſchöne Periode, womit der Kriegsrath die kleine Bewillkommnungsrede beginnen wollte, die er an ſeine Mündel zu halten beabſichtigte.

Ergo war es nicht blos die Vormundswürde und die Schüchternheit des genau berechnenden Mannes, welche verletzt wurde, ſondern auch die Eigenliebe eines Redners.

Und wie machte unſer Fräulein ihren doppelten Fehler wieder gut?

Nun, als ſie dieſe drei verſtummten, um nicht zu ſagen verſteinerten, Geſichter ſah, fand ſie dieſelben ſo unbeſchreiblich komiſch, daß ſie von Neuem lachen mußte, wie eine ächte kleine Närrin.

Während dieſes ganzen letzten Paroxismus, welchen Viola ſelbſt verurtheilte, ohne ihm Einhalt thun zu kön⸗ nen, hatte der Kriegsrath ſeinen Blick auf ſie geheftet, und Gott weiß, daß derſelbe weder Verlegenheit, noch Scham verrieth.

Mein Fräulein, ſagte er endlich mit einer flie⸗ ßenden Leichtigkeit, denn der Aerger hatte ſeine letzte Blödigkeit weggenommen,ich glaube Ihnen ſagen zu müſſen, daß ich einen ganz beſonderen Werth auf eine anſtändige Aufführung lege, und daß es nichts weniger als angenehm iſt, zu ſehen, daß irgend eine Sache oder Perſon in meinem Hauſe Veranlaſſung zu ſo ungezoge⸗ nen Ausbrüchen gibt.

Bei dieſer ſcharfen Zurechtweiſung ſtrahlten Frau Laura's Augen von einer himmliſchen Seligkeit.

Der alte Nicke dagegen ließ eine Thräne auf die wieder aufgehobene Serviette fallen.