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Aber Viola, die ſich wieder erholt hatte, flog haſtig vom Tiſche auf, und mit der ganzen Heftigkeit und Unbedachtſamkeit, die ihrem Charakter angehörte, ſtürzte ſie zu ihrem Vormund und that... genau daſſelbe, wozu Frau Laura, wie ſie dieſer zum Vorwurf gemacht, ſie hatte verleiten wollen— es verſteht ſich jedoch, daß Viola es ohne Berechnung that.
Frau Laura hatte geſagt:
„Nimm ihn im Sturm!“
Und Viola nahm ihn im Sturm.
Denn ehe der Kriegsrath nur daran hatte denken können, ſich in Vertheidigungszuſtand zu ſetzen, lag Viola's— eines jungen ſchönen Mädchens— Arm um ſeinen Hals und ein bezauberndes Köpfchen ſchmiegte ſich an ſeine Bruſt; und dann welches Schluchzen, welche Klagen, welche Thränen, welche Bitten!
Der unglückliche Severin, der vergebens dagegen kämpfte, glaubte ſich ins Schattenreich ſelbſt verſetzt. Er warf, wand und bog ſich hin und her, und er ſtam⸗ melte unaufhörlich: 3
„Mein Fräulein... in Wahrheit... mein Fräulein..“
„Verzeihung, mein guter, theurer, väterlicher Freund, Verzeihung für meine kindiſche Ausgelaſſenheit! Ich kann mich nicht beruhigen, bevor ich ein„Ja“ auf dieſe Bitte gehört habe.“
Severin war entzückt darüber, daß er endlich eine Wahl hatte. Er ließ nicht lange auf ein Ja warten, er würde auf Alles in der Welt mit Ja geantwortet haben, um nur los zu kommen.....
Aber was war die Folge?
In den nächſten vierzehn Tagen zeigte ſich Seve⸗ rin nicht mehr beim Frühſtück unb beim Mittageſſen waren immer gleichſam als Schutzwächter entweder der Doktor oder der Pfarrer eingeladen.
Was das förmliche Schema betrifft, ſo war es
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