Teil eines Werkes 
4.-8. Bändchen (1851)
Entstehung
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Mag dieſe mir gelten? fragte Viola in ihrem Innern.

Aber es war blos ein Signal zum Tiſch.

Und dort nahm man die Plätze ſo ein, daß Viola ihrem Vormund gegenüber, Laura an ſeiner Seite ſaß, und der alte Nicke mit der Serviette auf dem Arm hinter dem Stuhle des Hausherrn ſtand.

In den erſten zehn Minuten ſprach Niemand auch nur ein einziges Wort.

Das wird in die Länge tödlich! dachte Viola. Dreimal des Tags ein ſolches Beiſammenſein, eine ſolche Langweile und doch iſt dieß derſelbe Mann, der einen ſo ſanften und innigen Brief ſchrieb.

Aber freilich, fuhr ſie in ihren ſtillen Betrach⸗ tungen fort,er hatte damals den zweiten Bericht der Oberſtin noch nicht erhalten... Er hütet ſich, gleich⸗ wohl durch etwas Anderes, als durch ſein Benehmen den Eindruck zu zeigen, den er gemacht hat eine offene Erklärung wäre um Vieles beſſer.. Ach, ich halte es unter einem ſolchen Zwange nicht aus.

In demſelben Augenblick juſt als Frau Laura damit beſchäftigt war, den Haſen zu zerlegen und der Kriegsrath in ſyſtematiſcher Ordnung die Broſamen zuſammenzurechnen warf Viola zufällig ihre Augen auf den alten Nicke, der jetzt, wie wenn er nur darauf gewartet hätte, ſogleich anfing, alle möglichen Zeichen mit ſeiner Serviette in der rechten Hand zu machen.

Unſere Heldin bot ihren ganzen Verſtand auf, um wo möglich dieſe Zeichenſprache zu begreifen, die mit jeder Sekunde lebhafter und bizarrer wurde.

Aber als ſie zu verſtehen gab, daß dieſelbe über ihren Horizont gehe, da ſchnitt Nicke eine ſo abſcheu⸗ liche und verdrießliche Grimaſſe, daß Viola, ſelbſt wenn es ein wichtigeres Intereſſe als das gegenwärtige ge⸗ golten hätte, nicht hätte unterlaſſen koͤnnen, das zu thun, was ſie that..

Und was that ſie wohl?