191
gehabt hat, zu zeigen, wie er es treibt, ſo weiß ein gu⸗ ter Hausherr auch ſein Herz und ſeine Verdienſte zu ſchätzen.“
„Lieber Nicke, ich will nichts über meinen Vormund fragen. Er war krank, ſeitdem ich gekommen bin, und es würde ihn gewiß beläſtigt haben, wenn ich verlangt hätte, ihn beſuchen zu dürfen!“
„Ja, daran wäre auch nicht zu denken geweſen. Und ganz ungefragt will ich Ihnen ſagen, mein Fräu⸗ lein, daß der Kriegsrath in Bezug auf Frauenzimmer etwas ſchüchtern iſt. Blos dieſes garſtige Ding von einer Schwägerin hat Macht über ihn erhalten. Aller⸗ dings hat er im Anfang auch vor ihr die Augen nie⸗ dergeſchlagen, aber ſie ſagte ihm, daß ſie die Frau ſei⸗ nes theuren Bruders und ſeine zärtlichſte Schweſter ſei — und Geſchwiſter dürfen ſich vielleicht wohl einige Privilegien herausnehmen.“
„Es war... es war... juſt ſie, über die ich fragen wollte.“
„Ich wußte es ſchon, mein Fräulein... und da ſie jetzt einmal auf dem Tapet iſt, ſo ermahne ich Sie, nehmen Sie ſich in Acht vor ihr— ſie iſt ſo liſtig wie fünfzehn andere Weiber zuſammen.“
„Sie iſt aber keine böſe Perſon, guter Nicke?“
„Das ſage ich nicht gerade, aber noch weniger will ich in halben Worten reden, wenn ich an Olena's Grab pilgere und alles rein ſein muß zwiſchen mir und meinem Gewiſſen..“
„Nun aber...“.
„Ich ſage, daß ich glaube,— und habe ich Unrecht, ſo bitte ich ſie um Verzeihung— daß ſie kein ganz rechtſchaffenes Herz habe, und daß ich mir durchaus ein⸗ bilde, ſie meine es niemals wohl mit denjenigen, deren ſich der Kriegsrath annimmt.“
„Nach dem Anfang zu urtheilen,“ antwortete Viola mit erzwungener Stimme,„habe ich alſo nichts bei


