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meinem Vormund zu hoffen, denn Laura iſt ſehr freund⸗ lich gegen mich geweſen.“
„Oh, das konnte dennoch ſein— man ſieht wohl, mein Fräulein, daß Sie in jeder Fingerſpitze ein Herz haben.. Aber wäre es wohl naſeweis, zu fragen, ob ſie immer ein ſo feines Geſicht gegen Sie gemacht hat, wie geſtern, als ſie mit Ihnen ſpazieren ging.“
„Sie iſt immer gut gegen mich geweſen, aber heute — um aufrichtig zu ſein, und ich glaube, daß ich wa⸗ gen darf, es zu ſein,— heute habe ich weniger Freude 4 darüber empfunden, als geſtern. Und ich bin ungewiß, ob die Rathſchläge, die ſie mir ertheilt hat, wirklich die beſten ſind, da ich meinen Vormund nicht kenne.“
„Hören Sie, liebes Fräulein, noch ein gut gemein⸗ tes Wort. Haben Sie unſern Pfarrer geſehen?“
„Geſehen habe ich ihn.“
„Er kommt morgen zum Mittageſſen. Richten Sie es ein, daß Sie mit ihm ſprechen köoͤnnen. Er ertheilt die klügſten Rathſchläge, wenn Sie ſich ihm gleichſam mit einer gewiſſen Zutraulichkeit nähern.“
„Danke, kluger Nicke! Ich bin überzeugt, daß ich auch jetzt gute Rathſchläge erhalten habe, und daß ich wenigſtens diesmal nicht zu fürchten brauche, unbedacht⸗ ſam geweſen zu ſein.“
„Nein, ſeien Sie deßhalb getroſt, und was die Schwägerin betrifft, ſo glaube ich Ihnen wohl ſagen zu dürfen: Thun Sie gerade das Gegentheil von dem, was ſie Ihnen vorgeſchlagen hat, bis Sie ſich mit dem Pfarrer berathen haben, das weit klüger iſt.“
„Ich will den beſten Weg einzuſchlagen ſuche.. 4 und jetzt gute Nacht, ehrlicher Nicke... Glück zu und b ein fröhliches Gemüth auf die ſchöne Wanderung!“
Der Greis nickte ein treuherziges„Gute Nacht.“
Und das junge Mädchen verſchwand auf dem Weg zum Hauſe hinauf.


