denn ich verehre ſie da, wo ſie jetzt iſt, viel zu ſehr, als daß ich in meiner Werktagskleidung zu ihr gehen möchte.“
„Aber ſag', Nicke, warum gehſt Du nicht lie⸗ ber am Sonntag⸗Morgen, wenn Alles rings umher Friede iſt.“
„Was iſt das für eine Art von Frieden?— Wird man da nicht von allen Menſchen geſehen? Die Leute lächeln und ſchwatzen, wenn ſie über den Gottesacker gehen, wie wenn ſie über einen Markt gingen. So etwas kann ich nicht ertragen— man ſoll mit lang⸗ ſamen Schritten und ſanftem Gemüth gehen, wenn man die Todten beſucht... Aber leben Sie wohl, mein Fräulein.. jetzt nehme ich meine Pfingſtlilie und mache mich daran, meinen Sonntag zu beginnen.“
„So leb denn wohl, guter ehrlicher Nicke,“ ſagte Viola mit zoͤgerndem Tone.
Darauf fügte ſie hinzu:
„Es iſt beruhigend, zu wiſſen, daß ich einen ſo guten Freund in meiner Nähe habe.“
„Liebes Fräulein... verzeihen Sie“— Nicke rich⸗ tete ſich vor der Rabatte auf, wo er die Plünderung wieder begonnen, die Violas Ankunft unterbrochen hatte —„Liebes Fräulein, gibt es nichts beſonderes, was Sie den Muth hätten, mir unter vier Augen zu ſagen. Ich kann wohl noch einige kurze Zeit hier verweilen.“
„Vielleicht möchte ich etwas fragen, aber ich weiß nicht, oob
„Ob es angeht, einen Diener über Sachen zu fragen, welche die Hausbewohner betreffen?“
Viola ſchwieg, aber ihr holdes Lächeln verkündete, daß ſie etwas in dieſem Sinn gedacht hatte.
„Ich ſehe wie es beſtellt iſt,“ fuhr Nicke fort, wäh⸗ rend er zierlich die Falten glättete, die ſein Halstuch bekommen hatte.„Aber laſſen Sie ſich dadurch nicht quälen, mein liebes Fräulein, denn der Kriegsrath hielt ſich niemals ſelbſt für zu gut, um mit mir über alles zu reden. Wenn Einer volle 17 Jahre lang Gelegenheit


