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„Das war allerdings ſehr ſchön von dem Herrn; aber ich und Olena waren auch nicht mehr ſo preſſirt wie in unſrer Jugend: wir gingen ſo fein und ſchön, aber ganz ruhig Hand in Hand und dankten Gott für das, was war. Olena war Haushälterin bei dem Kriegs⸗ rath, ſchon ehe wir hierher zogen.“—
„Und hernach, ich wage kaum zu fragen.... ich errathe, wo ſie jetzt iſt.“
„Ja, Fräulein, es trat zwiſchen uns ein Mann; derjenige, der kein Fleiſch an den Armen und kein Auge in den leeren tiefen Höhlen hat.“
„Ich weiß auch, wer dieſer Mann iſt.“
„Der Tod— ja, ja, für ihn wie für mich, war Olena noch ſchön, und da er der ſtärkere war, ſo mußte ich nachgeben.“
Thränen um Thränen rollten über Nickes Wangen herab, und ihr Thau benetzte auch die Lilien, die für Olenas Grab beſtimmt waren.
„Armer guter Freund, was mußt Du gelitten haben!“
„Ich hätte es auch nie ausgehalten, Fräulein, wenn nicht der Kriegsrath ein ſolcher Engel Gottes in Menſchengeſtalt wäre.“
„Er tröſtete Dich?“
„Ja, wie wenn ich ſein Sohn und er mein Vater geweſen wäre, obſchon eher das Gegentheil hätte der Fall ſein können... Ja, dieſer Mann hat Herz— kein Fremder weiß es, was an ihm iſt, aber hier ſteht einer, der es weiß.“
Viola hörte mit feuchten Blicken zu. Gleichwohl hatte ſie nicht den Muth, etwas weiteres zu fragen.
Nicke fuhr nach einer kleinen Pauſe fort:
Es war an einem Samſtag Abend, als Olena dahinging, und ſeitdem ſind die Samſtagabende meine Feſttage geworden. Ich ziehe dann die ſchwarze Mon⸗ tur da an, die ich an ihrem Begräbnißtage erhielt,


