Nicke aus, der ſie mit herzlicher Ehrfurcht ergriff und eine Thräne drauf fallen ließ.
„Warum weinſt Du, mein Freund? wenn es um mich geſchieht, ſo kümmere Dich nicht. Es wird wohl ſchon beſſer werden, wenn mein Vormund wieder auf⸗ kommt und dann bin ich auch ſchon dran gewöhnt, unter fremden Leuten zu leben.“
Nicke lächelte traurig, und ſein Lächeln ſagte aus⸗ drucksvoller als Worte: 4
„Arme Kleine, daran gewöhnſt Du Dich nie!“
„Ach jetzt ſehe ich, daß Du aus einer andern Ur⸗ ſache weinſt,“ rief Viola mit dem Ausdruck einer himm⸗ liſchen Theilnahme...„Du biſt ſchwarz gekleidet und das ſo ſpät am Abend?“ 5
„Das kommt da her, weil der Samſtag Abend mein Feſttag iſt.“.
„Darf ich Dich fragen, warum?“
„Gerne... Einmal im Leben hatte ich ein treues Herz und das war meine Mauer im Hauſe. Ich liebte Olena 25 Jahre und noch zehn Wochen drüber— ja mein Fräulein, ſo lange Zeit liebte ich meine Braut, die ich in meinen Gedanken näͤchſt Gott ſtellte.“
„Warum wurde ſie denn nicht Deine Frau, lieber Nicke?“
„Aus keinem andern Grunde, als weil ich meinte, das würde ſonderbar erſcheinen, wenn ich gleichſam mehr wäre als mein Herr, der noch immer ſeine Junggeſel⸗ lenſchuhe vertritt. Und da er beſchloſſen hat, nie zu heirathen, ſo that auch ich es nicht.“
„So, der Kriegsrath hat beſchloſſen?2..“
„Ja, er ſagte zu mir alſo: Alter Nicke, ſagte er, Du mußt die Olena Lundin zu Deiner Frau nehmen; ihr werdet immer bei mir bleiben und es wird mir Freude machen, Euch glücklich zu ſehen in einem Leben, das für mich ſelbſt nicht paßt und das ich nicht zu ver⸗ ſuchen beabſichtige.“
„Nun, wenn der Kriegsrath ſo ſagte...“
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