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Der Kriegsrath ſetzte ſich und bot den Frauen⸗ zimmern die neben ihm ſtehenden Stühle an.
Unglücklicherweiſe machte das Ceremonielle in die⸗ ſer ganzen Veranſtaltung den Zwang noch merklicher. Severin hatte in der ſchwierigſten Kriſis ſelbſt ſeine ganze Kraft erſchoͤpft. Die unſelige Schüchternheit kehrte jetzt noch einmal zurück.
„Ich habe mit Bedauern gehört, daß Sie unpäß⸗ lich geweſen ſind, aber ich hoffe...“
„Es hatte nicht das Geringſte zu bedeuten— ich bin bereits wieder hergeſtellt.“
„Das iſt angenehm zu hören.. außerordentlich an⸗ genehm.. Meine Schwägerin wird ſich.. hoffe ich.. die Mühe nehmen, Ihnen den Garten zu zeigen.“
Die ſonſt ſo zungenfertige Frau Laura begnügte ſich diesmal mit einem bloßen leichten Kopfnicken.
Jetzt begann auch Viola von der Verlegenheit an⸗ geſteckt zu werden.
„Ich habe auch,“ hob Severin wieder an, indem er einen beinahe verzweifelten Blick von der einen auf die andere ſeiner Pflanzen warf—„ich habe auch einige Blumen hier, welche Sie vielleicht gerne anſehen wer⸗ den, mein Fräulein.“
„Ganz gewiß,“ rief Viola äußerſt vergnügt über einen Vorwand, ihren Platz zu verlaſſen.
Jetzt, als das junge Mädchen mit Frau Laura den Salon hinabzugehen anfing, bekam Severin den Muth aufzuſchauen.
Seine erſte Sorge war, daß er mit dem Fuß ſo⸗ wohl die Doſe, als den Schnupftabak unter den Stuhl ſtieß, und dadurch etwas beherzter geworden, ließ er
ſeine Augen der leichten Geſtalt folgen. Aber leider mußten dieſe Augen ſogleich niedergeſchlagen werden, denn ſie hatten das leichte Morgenkleid der leichten Geſtalt erfaßt. Wie gut beurtheilte Laura ihren Schwager.


