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„Nur Muth, mein Zuckerkindchen— mein Schwa⸗ ger beißt Niemand, er iſt immer ſanft.“
„Aber gute Frau Wendelsköld, ich meine..“
„Was denn? Haben Sie Vertrauen zu mir— das Vertrauen iſt etwas ſo Angenehmes zwiſchen Per⸗ ſonen, die täglich beiſammen leben.“
„Dank, Dank,— ich will auch aufrichtig ſein. Wenn mein Vormund ſo gütig wäre, könnte er dann nicht bereits hier geweſen ſein?“
„Hier geweſen ſein?“ Frau Laura ſchlug ein recht herzliches Lachen auf.„Severin ſollte in das Zimmer einer jungen Dame treten— ich glaube wahr⸗ haig⸗ daß er ſich eher zu allem Andern verſtanden
ätte.“
Viola ſchwieg ein paar Augenblicke.
Darauf ſagte ſie, indem ſie mit bezaubernder Zier⸗ lichkeit an den Spitzen ihres weißen Morgenkleides ſpielte: Vielleicht hätte ich mich ſogleich für das Mit⸗ tageſſen ankleiden ſollen?“
Frau Laura kämpfte einige Sekunden mit ſich ſelbſt, bevor ſie ihr Antwort gab.
Sie hätte allerdings das Letztere am liebſten geſehen⸗ denn ſie glaubte, daß Viola in einer Mittagstoilette nicht ſo unendlich ſchön ſein könnte, wie in ihrer dermaligen, deren luftiger Stoff mit ihrem eigenen ätheriſchen Weſen zuſammengewoben ſchien. Aber auf der andern Seite — o die boshafte Laura— dachte ſie; das wird meinen guten Severin verdrießen, daß das kleine Fräulein zu ihrem Vormund in der Morgentoilette kommt, was ſo⸗ wohl ihre tiefe Ehrfurcht vor ihm, als ihre eigene Schamhaftigkeit hätte verbieten müſſen.
„Nun, wie ſoll ich's denn machen?“ fragte unſre Heldin mit leichter Ungeduld.
„Dieſes ausgeſchnittene Kleid ſitzt Ihnen ſo zier⸗ lich und iſt ſo geſchmackvoll, daß ich glaube, Sie müſſen es anbehalten.“*
„Um ſo beſſer— ich glaube ſelbſt, daß es mir
verdar
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V das ho MNaͤdch ſeinen


