Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1851)
Entstehung
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ſelbſt nicht.

men, liebes Kind thue wie zu Haus und ſei gutes Muths.

Das arme Kind, es kannte den Kriegsrath ſchlecht, wenn es von einem ſolchen Gruß träumen konnte.

Im Augenblick, wo der Doktor eintrat, ſtand ſie im Begriffe, ihn für ihren Vormund zu nehmen der alte Geſell hatte ſich eine ſo ächt väterliche Miene ge⸗ geben; aber als Frau Laura ſagte:Sehen Sie hier einen vertrauten Freund der Oberſtin, den Doktor Bivelius, da konnte ſie blos ſtammeln und fühlte ſich unangenehm überraſcht.

Ein Freund der Oberſtin, das war in Viola's Augen juſt keine Empfehlung.

Aber der Doktor, der ohne Mühe den ganzen Zu⸗ ſammenhang ihrer Gedanken verſtand, beeilte ſich, ihr mecheweiſen, daß ſie von ihm nichts zu befürchten habe.

Und ehe zehn Minuten verfloſſen, hatte er ſich Viola's Gunſt erworben, ihr ein kleines Regime für ihre Ge⸗ ſundheit gegeben und ſie darauf vorbereitet, in ihrem Vormund den edelſten und redlichſten, aber zugleich eigenthümlichſten Mann zu finden, an deſſen Herz ſie ſich mehr halten müſſe, als an ſeine Art und Weiſe, ſich auszudrücken und ſie zu empfangen...

Jetzt, mein liebes Fräulein, ſagte Frau Laura, iſt es Zeit, zu gehen.

Und Frau Laura lächelte mit ihrem allerſchönſten Sonntagslächeln und blickte ungemein freundlich und mütterlich drein.

Schon vom erſten Augenblick an hatte ſie gedacht:

Ich muß dieſes zierliche Lärvchen da nothwendig in meine Hände bekommen.

Und deßhalb wurde die Lammtatze vorgeſtreckt und Violas Wangen wurden zärtlich gekost.

Ach, ach, ach, ſagte Viola, indem ſie ſich vom Sofa aufrichtete,ich bin ſo bange, ich begreife mich