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Wohnung, da fiel es ihm ein, daß ein kränklicher alter Mann wohl der Pflege einer Hausfrau bedürfe; und ebenſo daß ſeine Schwägerin noch zu jung ſei, um ohne Schutz und Hüulfe der Erziehung ihrer Kinder obliegen zu können.
Die Ueberlegung war kurz.
Sechs Monate, nachdem er ſeine Haushaltung eingerichtet, hatte Frau Laura ſich mit ihren zwei ver⸗ zärtelten Liebesgöttern eingeführt.
Wir wollen nicht zu läugnen verſuchen, daß Frau Laura in der erſten Zeit Spekulationen hatte, welche nicht einmal durch den Anblick des unmodernen Frackes und der langen Weſte des Kriegsraths, die ſcharf gegen die damalige Mode abſtachen, einen Abbruch erlitten. Nein, ſie war ſogar vollkommen bereit, die unange⸗ nehme Stelle einer Liebhaberin zu ſpielen, bis ſich ihr eine weniger unangenehme darböte.
Aber es war nicht ihr Schickſal, Frau Kriegsräthin zu werden.
Sie mußte gänzlich all ihre Verſuche aufgeben, welche von Severin nicht einmal bemerkt wurden, fuͤr ſo unmöglich hielt er es, daß ein Liebesverhältniß zwi⸗ ſchen ihm und der Wittwe ſeines Bruders entſtehen könnte.
Bei Laura fand ſich auch nicht einmal ein Duft von Poeſie vor. Sie war eine jener Frauen— und deren ſind viele— die je nach dem Bedarf der Um⸗ ſtände gefallſüchtig und liſtig ſind, und überdieß eine Frau, welche die Kunſt verſtand, den beſten Theil deſ⸗ ſen, was zu bekommen war, herauszufinden und an ſich zu ziehen.
Wenn ſie nicht Severin's Gattin werden könnte, beſchloß ſie, ſeine treue Freundin und im Nothfall ſeine Beherrſcherin zu werden; denn es hielt gar nicht ſchwer, einen Mann von den friedliebenden Gewohn⸗ heiten ihres Schwagers unter eine Art ſanfter Subor⸗ dination zu bringen. 1


