Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1851)
Entstehung
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ſümachtende Augen und ſeidenweiche Locken verlieben önnte.

Nein, die Seelen ſind es, welche lieben, und die Seelen haben kein Bedürfniß nach äußerem Liebreiz.

Zu einer Zeit, da er noch jünger war, hatte er den Einfall gehabt, baarhäuptig in der Sonne umherzu⸗ gehen, um eine dunkle Geſichtsfarbe zu bekommen, aber die Sonne führte keine andere Wirkung herbei, als einige Sommerſproſſen, welche er als ganz und gar weiblich mißbilligte.

Darauf bekam er eine andere Grille, nämlich die, Kranke zu beſuchen; aber auch hier gewann er nichts anderes, als Bewunderung für ſeine Uneigennützigkeit und ſeine Menſchenliebe.

Und dieſes letzte Gefühl war immer ſelbſt ohne die fremden Zuſätze warm in ihm.

Inzwiſchen vergingen Jahre und die oben erwähnte Schüchternheit hinderte ihn nicht blos, die ſchönen Wei⸗ ber zu betrachten, ſie hinderte ihn ſogar, bei den häß⸗ lichen Glück zu machen.

Ueberdieß hatte Severin ſo ſtrenge Begriffe von der Tugend der Frau und den Banden, welche Vorſicht und Zartgefühl iuſt der Ehefrau auferlegen müſſen, daß er nicht ohne Entſetzen daran dachte, wie dieſe Voll⸗ kommenheit von ihrem Fußgeſtell herabſteigen könnte, um ſich ihm zu nähern oder was noch ſchlimmer ihn aufzumuntern.

Blos im Jünglingsalter, wo ſeine Träume an Gottheiten aus den allerhoͤchſten Sphären feſthielten, verzieh er dieſes Herabſteigen, welches da als eine neue Tugend gelten konnte.

Unſer Held blieb alſo beſtändig allein mit dieſem tiefen und warmen Liebesfeuer, das in ſeinem Inneren lebte.

Zur Zeit ſeines Abſchieds er war damals 34 Jahre alt glaubte er, Alles ſei vorbei, und beſchloß alſo, ſeinen fünfzehnjährigen Hoffnungen für immer Lebewohl zu ſagen.