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ſelben die Tochter des Oberſten Wentworth erkannte. Dieſe Entdeckung und die Krankheit von Roſette ver⸗ anlaßten ihn, Cane Hall zu beſuchen, wo er der Zu⸗ ſchauer einer Scene war, welche kräftiger die Schön⸗ heit der Tugend und der Frömmigkeit beleuchtete, als dieß die beredteſten zu ihrem Ruhme geſchriebenen Bücher zu thun vermögen.
Jeden Tag des Umgangs mit Emily vermehrte das Verlangen des Majors, ſie als Gattin ſeines Ver⸗ wandten zu ſehen. Sie blieb jedoch unerbittlich für dieſen Vorſchlag, und er ſah endlich die Fruchtloſigkeit einer ferneren Bewerbung ein. Da es ihm völlig ein⸗ leuchtete, wie unpaſſend die Stellung war, in der ſie ſich befand, ſo beſchloß er ſie nach England zu beglei⸗ ten, und ſie daſelbſt unter ſeinem eigenen Dache zu verſorgen, wenn eine perſönliche Berufung auf ihres Vetters Gefühle erfolglos bleiben ſollte. Abgeſehen von dem Intereſſe, das ihm Emilgy einflößte, ergriff ihr gegenwärtiger Vormünder gierig die Gelegenheit, wenigſtens theilweiſe frühere Fehler zu ſühnen, was er durch Beſchirmung und Unterſtützung des Kindes ſeines mißhandelten Freundes zu thun hoffte.
Nachdem ein hübſcher Grabſtein für Roſette geſetzt war, nahm unſere Heldin zärtlich von ihrem Groß⸗ vater Abſchied, ſchiffte ſich nach England ein und nach ſechs Wochen war ſie in den Mauern ſeiner großen Hauptſtadt, von der ſie ein Jahr vorher ohne eine Ahnung von den Verſuchungen und Demüthigungen ab⸗ gereist war, die ſie in einem entfernten Lande erfah⸗ ren ſollte.
Den Oberſten Wentworth von der Ankunft ſeiner Tochter in Kenntniß zu ſetzen war eine etwas ſchwie⸗ rige und ſehr delicate Sache. Denn obgleich ſie zu corre⸗ ſpondiren nicht aufgehört hatten, waren doch ſeine Briefe in der letzten Zeit kürzer geworden und er hatte nur in langen Zwiſchenräumen geſchrieben. Aber dg die unſtudirte Beredtſamkeit des Herzens der wirk⸗


