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Ein Lächeln der Dankbarkeit zog üher ihr Antlitz hin, und bald darauf verſank ſie in einen Zuſtand der Bewußtlofigkeit. Die gewöhnlichen ſtärkenden Mittel belebten Theilweiſe die Dulderin; ſie warf einen zärt⸗ lichen Blick auf Emily und murmelte abgebrochene Sätze der Erkenntlichkeit für den Troſt, den ſie durch ihre Vermittlung gewonnen hatte. Dieß waren die letzten verſtändlichen Worte, die ſie ausſprach. Die übrige Spanne des Lebens wurde in ſtillem Gebete hingebracht, bis der zerknirſchte und friedliche Geiſt ſeinen Aufflug nahm in das Land, wo ein freundlicher Willkomm des reuigen Sünders harrt.
Emily zog ſich zurück, um zu weinen und zu be⸗ ten. Sie murrte nicht länger gegen ihr Geſchick, denn ſie betrachtete es als ein beſonderes Mittel, das fie hatte anwenden dürfen, um ihre Mutter aus der Un⸗ wiſſenheit und dem Irrthum in das Licht himmliſcher Erkenntniß hinüberzuführen, und freute ſich der Er⸗ füllung ihrer Pflicht, die Mühſeligkeiten vergeſſend, mit denen ſie hatte ringen müſſen.
Das Leichenbegängniß war nicht ſo bald vorüber, als ſich Major Hinderſon beeilte, unſerer Heldin ſeine Dienſte anzubieten. Seit ihres Vaters Verheiratung führte er ein zurückgezogenes Leben; wiederholte An⸗ fälle von langwierigen Krankheiten hatten ihm Muße zum Ueberlegen gegeben und es erwachten dadurch Gewiſſensbiſſe, welche doppelt brennend durch die Milde der Menſchen wurden, die er ſo tief verletzt hatte. Dieſes Gefühl, verbunden mit einer allgemei⸗ nen Schwäche ſeines Körpers führte ein frühzeitiges Alter herbei und er verfiel raſch in ein düſteres Siech⸗ thum, als Kapitän Graham ſein Gaſt wurde.
Für dieſen Neffen, dem Sohn einer einzigen Schweſter, hatte Major Hinderſon ſtets eine beſondere Zuneigung kund gegeben und er hörte nun mit Theil⸗ nahme die Erzählung von ſeiner geſcheiterten Liebe, aher es dauerte lang, bis er in dem Gegenſtand der⸗


