Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2⁵²

Die nun anweſende Gruppe würde ein ſchönes und rührendes Gemälde gebildet haben. In dem Hintergrunde ſtanden mehrere weinende Neger(denn Roſette war allgemein beliebt); auf einem Ruhebett, die Hände gefaltet, als wären ſie im Akte des Betens begriffen, lag die Sterbende. Neben ihr kniete eine anmuthreiche weibliche Geſtalt, deren dunkle ſeidene Locken theilweiſe ihre ausdruckvollen Augen beſchatteten, welche, von Andacht ſtrahlend, dem Himmel zuge⸗ richtet waren, während des Chriſten Gebet von Glaube und Hoffnung in Tönen inbrünſtiger Frömmigkeit von ihren Lippen floß.

Als dieſe Gottesverehrung vorüber war, ſtand Emily langſam auf, wandte ſich um und ſah einen Fremden, welcher bei der Thür ſtand und nun näher zu ihr herantretend ausrief: Verzeihen Sie dieſes Eindringen, junge Dame, darf ich es wagen, mit Ihrer Mutter zu ſprechen? Sie kannte mich in frühe⸗ ren Jahren. Die Stimme erregte Roſettens Auf⸗ merkſamkeit, Sie bat ihn, zu ihr heranzukommen und ſagte:Dieſe Töne ſind mir bekannt, aber ich erinnere mich des Sprechers nicht. Es wäre in der That für Jedermann ſchwer geweſen, den ſchönen Major Hinderſon in dem ältlichen Manne mit dem gelben Geſicht und den grauen Haaren zu erkennen, der ſich nun ſelbſt mit dieſem Namen ankündigte. Roſette be⸗ ſtätigte, daß ſie ſich ſeiner zu erinnern vermochte, durch die Worte: Ja, Sie waren der Freund von. Ein Seufzer entrang ſich der Bruſt ihrer Zuhörerin; aber dieſe Unterbrechung blieb unbemerkt, und fie fuhr fort:Ich würde glücklich ſterben, wenn Sie ſeiner Tochter in Freundſchaft beiſtehen wollten. Sie hat keinen Beſchützer, und dieſer Platz eignet ſich für ſie nicht zu einem längeren Verweilen. Major Hinder⸗ ſon ergriff die Hand der ſterbenden Mutter und ver⸗ peat Alles zu thun, was ſie nur immer wünſchen möchte.