„Aber wenn wir nur ſchlechte Soldaten geſchla⸗ gen haben, wo iſt alsdann der Ruhm?“
„Der Ruhm? das iſt gleichgültig, mein Kaiſer; dieſe Burſche ſind immer nur Reſte fur uns; aber der letzte Reſt iſt für Sie allein.“
„ Nun aber erkläre ich, die Ruſſen ſind gute und tapfere Soldaten.“
„Wenn dieſes Ihre Anſicht iſt, mein Kaiſer, ſo habe ich Nichts dagegen, doch—“
„Was noch?“ unterbrach ihn Napoleon.
„Es iſt nicht die meine, was mich betrifft.“
„Bei Gott!“ rief Napoleon, indem er ſich an Michelin wandte,„das iſt ja ein ganz eigenſinnig drolliger Burſche. Es iſt vielleicht das erſtemal ſeit zehn Jahren, daß ein Soldat es wagt, in meiner Gegenwart eine andere Meinung, als die meinige, zu haben.“
„Wohlan! Deine Unbotmäßigkeit gegen Deinen Obern iſt vergeſſen, aber unter der Bedingung, daß, wenn Du jemals vor Ruſſen oder Preußen ſtehſt, Du die gleiche Anſicht wie heute haben mußt, und ſie Dich nicht mehr als heute erſchrecken dürfen.“
„Mein Kaiſer, ich habe in dieſem Punkte niemals meine Anſicht geändert. Wann wollen Sie, daß man mich erſchieße?“
„Dich erſchießen!“ ſagte Napoleon mit Staunen, „wozu?“ und indem er ſich an den General wandte, fügte er hinzu;„er hat mich nicht verſtanden.“
„In der That,“ erwiderte Romeuf mit dem gleichen Phlegma,„das wurde Niemand nützen, nicht einmal den Preußen ſelbſt; ich habe größere Freude, mich für Sie erſchießen zu laſſen, mein Kaiſer, denn 33 kann Ihnen nützlicher und mir ſchmeichelhafter
3 n.““
„Ich glaube es,“ ſagte Napoleon lächelnd,„aber paſſe auf und vergeſſe nicht, daß wenn Du wieder recitiy wirſt, ich unbarmherzig ſein werde; ich werde
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