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Romeuf machte bereits eine halbe Wendung und wollte ſchon wieder der Saalthüre zugehen, als der General ihn beim Zipfel ſeines Collets feſthält und ihn mit einem noch ſtrengeren Tone als das erſtemal agte:
3„Das Eine wird das Andere nicht ausſchließen.“ „Wenn das Ihre Anſichtsweiſe iſt, mein Oberſt, ſo habe ich Nichts zu ſagen.“
Einen Augenblick nachher führte der dienſtthuende⸗ Adjutant die beiden Beſucher in das kaiſerliche Kabi⸗ net. Napoleon war allein. Nachdem er dem General mit dem Kopfe eine ehrerbietige Verbeugung gemacht hatte, ſagte er zu Romeuf, indem er zu ihm ging und ihn beim Ohr nahm:„Du biſt es alſo, der glaubt, daß Ruſſen und Preußen ſchlechte Soldaten find?“⸗
Es ſchien, dieſe Meinung des Tambours hatte den Kaiſer mehr befremdet, als der Fehler, den er begangen hatte, denn dieſes waren ſeine erſten Worte.
Auf dieſe unerwartete Frage hin wußte der arme
Romeuf nicht recht, was Napoleon ſagen wollte, er
ſenkte den Kopf und bisß auf die Zähne.
Der Kaiſer ſchüttelte ihm das Ohr noch ſtärker, um eine Antwort heraus zu bringen.
„Nun ja, mein Kaiſer!“ erwiderte dieſer endlich mit einem tiefen Seufzer,„das iſt meine Anſichts⸗
weiſe.“
Napoleon, welcher glücklicherweiſe gut geſtimmt war, ſagte beinahe heiter:
„Doch haben wir zwei, Du und ich, die Preußen und die Ruſſen mehr als einmal geſchlagen, und wir wiſſen, was es koſtet.“
Dieſe Worte, geſprochen in einem ganz leutſeli⸗ gen Tone, beruhigten vollends den Tambour, welcher
hne Verwirrung und ohne Aufregung zur Antwort 8.
„Es koſtete nicht zu viel, mein Kaiſer, in Be⸗ tracht, daß dieſe Pfarrkinder nicht ſind, wie wir.“


